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Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Des Bürgermeisters Töchterlein

Des Bürgermeisters Töchterlein
Original-Vortrag, Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr.213

(Der Vortragende tritt als armer, aber adrett gekleideter Schweinehirt auf)

1.
Ich bin ein armer Schweinehirt –
der Der Mann im Städtchen.
Mein Schätzchen ist 'ne Gänsemagd,
ein ganz bescheid'nes Mädchen.
Doch durch die Gänsemagd Kathrein,
da küss'ich jedes Mägdelein.
Die runden und die schlanken –
ich küss'sie in Gedanken.
Seh' ich ein hübsches Mägdelein,
küss'ich dafür die Magd Kathrein. –
Ob ich nun die küss'oder die –
die Hauptsach' ist die Fantasie. –
Jetzt lieb' ich eine, wollt und fein –
des Bürgermeisters Töchterlein.

2.
An einem schönen Sommertag
ging sie hier auf und nieder.
Seitdem da ward Sie meine Braut,
kommt jeden Abend wieder.
Seitdem küss'ich das Mägdelein –
sie braucht nicht mal dabeizusein,
war nie in meiner Klause –
und ist doch steht's im Hause.
Ich küss'die Gänsemagd Kathrein –
dann fällt mir gleich die andere ein.
Ist's auch nicht war, ich bild's mir ein,
ich kann sehr eingebildet sein.
Ich mache aus der Magd Kathrein,
des Bürgermeisters Töchterlein.

3.
Jüngst hörte ich, sie sei verlobt,
wollt' morgen sich vermählen.
Da dacht' ich: „Erst komm' ich und dann
magst du 'nen andern wählen.
Erst musst du ganz mein eigen sein.“ –
Ich rief die Gänsemagd Kathrein
und sagte unter lachen:
„Kommt, dass uns Hochzeit machen!“
Sie sprach: „Ich weiß nicht, die dir ist –
du hast du mich noch nie geküsst.“ –
Ich dachte: „Dich küss'ich nur zum Schein –
du bist nicht du, ist schön, ist fein –
ist nicht die Gänsemagd Kathrein,
ist Bürgermeisters Töchterlein.“

4.
Tags drauf die Hochzeit anzuseh'n,
liess ich mir nicht verdrießen.
Den Mann, den meine Braut bekam,
musst' ich doch auch begrüßen.
Ich schwenkt' den Hut – da nickt die Braut,
er hat voll Hochmuth weggeschaut.
Ich dacht': „Geh' deiner Wege –
gut' Morgen, Herr Kollege!“
„Sei nicht so stolz“, dacht' ich bei mir –
„Geh' los mit ihr, ich schenk' sie dir.
Du glaubst, dass du der erste bist,
der heut' dein holdes Weibchen küsst.
O nein, schon vor dir, da war mein
des Bürgermeisters Töchterlein.“

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