Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

Twitter

Aus!!

Aus!!
Original-Couplet. Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 336

1.
In Deutschland, da liebte sich's kurios – ringsum –
man verdiente stets mehr und ward immer mehr los – 's ist dumm
ich kannte 'nen Mann, der ist übergeschnappt,
der hat vor dem Krieg 'nen weit gehabt,
den verkaufte er später für mehr.
Nun hatte er mehr wie vorher.
Nun hat er mehr – wie vorher – nun war er stolz – kauft wieder Holz
– kriegt trotz des Geld's – bloß 'n Gehölz – klein und nieder –
verkauft er wieder – kriegt wieder mehr – wie vorher –
nun war er stolz – kauft wieder Holz – kriegt bloß 'nen Strauch –
verkauft ihn auch – kriegt wieder mehr – wie vorher – nun war er stolz –
kauft wieder Holz – kriegt bloß 'nen Ast –
sagt gefasst: „Nun bin ich reich – komme gleich – auf 'nen grünen Zweig“
– hat nach 'nem Strick gefasst – nimmt den Ast –
schlägt ans Haus – hoch hinaus – macht 'ne Schlinge rein –
Zunge raus – Aus!!

2.
Zehn Pfennig kost't früher die Straßenbahn – 's war fein,
dann fünfzehn, dann zwanzig, dann dachte man: 's muss sein.
Dann dreißig, dann fünfzig, dann kost's 'ne Mark,
da sagte schon mancher: Der Preis ist stark,
dann kam sie auf hundert, oh Schreck!
Da gibt die Hälfte schon weg.
Und so ging's dann – an die tausend ran – davor noch ein Drittel
– dem Mittelstand – fehlten die Mittel – der ist gerannt –
dadurch entstand – ein großer Verlust – in jedem Wagen –
den mussten die tragen – die mitgefahren – die Zeiten für die –
die draußen waren – an erhöht dann die Preise – in üblicher Weise –
das sind wieder weniger – mitgefahren. – Die zahlten für die –
die draußen waren – und so ging's heiter – immer weiter –
man erhöhte den Preis – milliardenweis – da fuhren noch hundert –
dann fünfzig – dann zehn – zum Schluss konnt' man einen –
fahren seh'n – der zahlt' für die andern – die draußen wandern
– man erhöht' dann die Preise – in üblicher Weise –
er fuhr noch ein paarmal – hin und her – dann seufzte er schwer:
„Ich kann nicht mehr!“ – Der Schaffner rief aus:
„Der Mann muss hinaus – schmeiß'n wir'n raus – fahr'n wir nach
Haus“ – Aus!!

3.
Ihr Deutsche, wir stehen jetzt auf der Welt – allein,
wir haben kein Gold, denn unser Gold ist Schein.
Wir schleppten nur Scheine mit uns umher,
Beutel war voll und der Magen leer.
Ach, unser ganzes Sein,
war leider nur noch Schein.
Unser Sein – war Schein – wir waren steinreich – wurden scheinreich –
lebten allein – vom Schein – kannte nur noch ein Leben –
das war ein Scheinleben – und ein Scheinleben – ist doch kein Leben –
und kein Leben ist Tod – so litten wir Not – Not durch die Noten –
glichen den Toten – ging'n tot allein – durch den Schein –
uns Blüte nur ein Tod – das war der Scheintod – – –
da sagte der Staat: „Jetzt schaffe ich Rat – die ganzen Scheine –
sind wieder meine“ – er zieht jeden Schein – jetzt wieder ein –
an nimmt's Papier – und was kriegen wir? – Für all'die Millionen,
Billionen, Trillionen – die uns über Nacht – zu vielfachen Millionären gemacht –
für all' den Quark? – – – Eine Rentenmarkt! –
Nun seh'n wir's ein: – 's war alles Schein – jetzt Millionär –
das hält aber schwer – rum zieh'n wir durchs Land –
eine Mark in der Hand – die geben wir aus – kriegen nichts raus –
arm wie 'ne Maus – geh'n wir nach Haus – Aus!!

4.
(Der Vortragende geht hierauf scheinbar ab und singt dann beim Wiederauftreten folgenden Schluss:)
Aber nicht ganz aus – 's ist nicht mit dem Glanz aus – trotz Billionen
 und Trillionen – denn ich sagte schon: – Wir Deutsche sind scheintot
– und 'n Scheintod ist kein Tod – und kein Tod ist Leben –
und wir werd'n und erheben – denn die Welt ist rund – und das
Geld wird rund – und wir werden gesund – aus unserm Scheintod –
sind wir aber acht – wenn wir die Scheine – tot gemacht –
die hab'n kein'n Zweck – und auch die Nullen – die Nullen in Deutschland
– die vielen Nullen – die in den Scheintod uns lullen –
die müssen weg – uns fehlt nur eins – in der Welt des Scheins –
'ne richtige Eins – hat müssen wir sein – nicht weich wie ein Schein –
kräftig und stark – voller Mark – wie die Mark –
wir war'n schon mal stark – durch 'ne bissige Mark.
Die Mark, die muss steigen, verdrängen den Schein,
der Franken sich neigen, muss weniger sein.
Und stehen wir über den Franken dann,
wir sind wir gesund – und dann – fängt's an.

Werbung

Tasse Kaffee

Es gefällt Ihnen die Otto-Reutter-Seite und Sie wollen sich bedanken?