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Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Pfui Deiwel, ist das schön!

Pfui Deiwel, ist das schön!
Original-Couplet von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 331

1.
's hat sich schon viel gebessert
im neuen deutschen Reich –
doch wird von heut' auf morgen
nicht alles besser gleich.
Man kann in unsern Tagen
auch noch viel Dinge seh'n,
da kann der Mensch nur sagen:
„Pfui Deiwel, ist das schön!“

2.
Sieht man mal heut' 'ne Zeitung,
liest man nur „Raub“ und „Mord“ –
„Ein Warenhaus geplündert,
die Diebe, die sind fort.“
Doch wird das Laub dann gelber,
wenn raue Winde weh'n,
dann meld'n sie sich von selber –
Pfui Deiwel, ist das schön!

3.
Man sieht Reklameschilder
jetzt überall – 's ist toll. –
Die Post, die Straßenwagen
den von Reklame voll.
Reklame kannst du finden –
doch, was du möchtest seh'n,
das lassen sie verschwinden –
Pfui Deiwel, ist das schön!

4.
Anzüge sind zu teuer,
ich kenn' ein Zwillingspaar,
zwei Brüder – die trag'n einen
abwechselnd 's ganze Jahr.
Mal geht der aus der Klause –
und will der andre gehen,
bleibt wieder der zu Hause –
Pfui Deiwel, ist das schön!

5.
Auch 's Reisen heutzutage
ist teurer wie vorher,
besonders Hochzeitsreisen –
für zweie langt's nicht mehr.
Statt nach der Hochzeitszene
ins Schlaf-Coupé zu gehn
mit ihr, – reist er alleene.
Pfui Deiwel, ist das schön!

6.
Das Unt're kam zu oberst,
schaut man zur Bahn hinein,
steig'n Leute, hochgebildet,
zur vierten Klasse rein.
Jedoch mit voller Kasse
kein weich man sitzen seh'n
manch Rindvieh erster Klasse.
Pfui Deiwel, ist das schön!

7.
Sieht man so'n neuen Reichen,
der einst gering und Arm,
den Rotwein lässt er kalt stell'n,
den Sekt, den trinkt erworben.
Gibt's Fisch beim Mittagsmahle,
mit bessern frisst er den –
und Austern mit der Schale –
Pfui Deiwel, ist das schön!

8.
So mancher, der vorm Kriege
geborgen saß zu Haus,
ist Arm jetzt und gebrechlich
schaut nach Hilfe aus.
Sein Mühen bleibt vergebens,
er muss die Orgel dreh'n
und singt: „Freut euch des Lebens!“
Pfui Deiwel, ist das schön!

9.
Einst gab es manchen Rentner,
der sich sehr dicke tat ung
er fuhr, um dünn zu werden,
stets nach Marienbad.
Heut' braucht so'n armer Rentner
nicht in so'n Bad zu gehn –
er wiegt 'nen halben Zentner.
Pfui Deiwel, ist das schön!

10.
Wir hab'n viel fleiß'ge Leute,
was gerne ich gesteh' –
jedoch auch Tagediebe
gibt's heute mehr als je,
komm'n jedem ins Gehege –
bloß, wenn sie Arbeit seh'n,
da gehn sie aus dem Wege:
Pfui Deiwel, ist das schön!

11-
's gibt leider jetzt viel Krüppel –
da zahlt man gerne Geld.
Doch 's gibt auch „Lahme“, „Blinde“
die täuschen alle Welt.
Den Lahmen, im Casino
kann man ihn tanzen seh'n.
Der Blinde geht ins Kino –
Pfui Deiwel, ist das schön!

12.
Wir haben gute Redner
noch heut' im Parlament –
die sind in ihren Reden
schlagfertig und patent.
Doch manche gegenwärtig
gibt's, die das missverstehn –
die sind – zum Schlage fertig.
Pfui Deiwel, ist das schön!

13.
Man tanzt heut ausgelassen –
Bekleidung gibt es nicht.
Erst kürzlich stand 'ne Tänz'rin
vorm Sittlichkeitsgericht.
Dort konnt' man alles besser
noch wie am Abend seh'n –
da meinte ein Assessor:
„Pfui Deiwel! (Entzückt:) Ist das schön!“

14.
So mancher, dem die Gattin
zu alt ward mit der Zeit,
nahm früher ein „Verhältnis“.
Das ist zu teuer heut'.
Er kann's nicht mehr behalten,
will er heut' küssen gehn,
muss er zu seiner Alten –
Pfui Deiwel, ist das schön!

15.
Auch ich hab meine Sorgen,
ich säß längst wohlgemut,
wär' nicht der Krieg gekommen,
auf meinem „Reuttergut“!
(Der Vortragende sage: „Rittergut“.)
So muss ich Faxen machen
und muss hier oben stehn,
damit Sie unten lachen.
Pfui Deiwel, ist das schön!

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