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Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Wie kann man denn bloß so neugierig sein!

Wie kann man denn bloß so neugierig sein!
Original-Couplet von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 314

1.
Es sitzt in der Laube in lauschiger Nacht
ein Pärchen allein und die Liebe erwacht.
„Wie schön ist's im Dunkeln“, sagt er ihr ins Ohr. –
Da – flugs – lockt der Mond hintern wollten hervor,
beleuchtet die beiden mit silbernem Schein,
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!

2.
Der Hans in die Grete sind lange ein Paar. –
Nun wird sie schon dreißig kommenden Jahr.
Er bleibt immer freundlich und fertig zu ihr.
Bloß, wenn sie ihn fragt: „Du, wann heiraten wir?“,
Da wird er verlegen, dann sagt er: „Halt ein,
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

3.
Herr Klante, der kannte die heutige Welt –
die Gläubiger, gläubig, die brachten ihm Geld.
Dann merkten sie endlich: Es war nur ein Trick –
nun schrien sie: „Wann krieg'n unser Geld wir zurück?“
Herr Klante sprach ruhig: „Ihr müsst nicht so schrei'n –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

4.
Es sitzt eine Frau mit 'nem anderen mal
in einem gedieg'nen, verschwieg'nen lokal.
Da, plötzlich, der Mann! – Der Herr Liebhaber flieht.
Die Frau dick gefasst, als den Gatten sie sieht
sie sagt ganz naiv: „Warum kommst du herein? –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

5.
Ein ältliches Fräulein, das steht vor Gericht.
„Wie alt?“, fragt der Richter – sie antwortet nicht.
„Wie alt?“, fragt er nochmal – sie schweigt wie zuvor.
„Nun gut,“ sagt er, „sag'n Sie's mir leise ins Ohr.“
Da flüstert verschämt sie ins Ohr ihm hinein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

6.
Susanne im Bade – die plätschert in Ruh' –
da kommen zwei Juden und schauen ihr zu.
Der eine sagt lüstern: „'s ist wirklich famos.
Da sieh doch mal bloß“ – „Ja, ich seh', sie ist bloß.“
Da sagt die Susanne verschämt zu den zwei'n:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

7.
Es hat ein Berliner von München gehört, –
dort würd'n die Berliner geschätzt und verehrt. –
Nun will er dorthin – bis zum Bahnhof gerannt. –
Entsetzt sagt der Schaffner: „Das find' ich riskant.
Sie wollen ins „feindlicher Ausland“ hinein?
Wie kann man denn bloß so neugierig sein?“

8.
Ein Mann war verreist, kam nach hause aufs neu'–
und frug er sein Weibchen: „Du, bliebst du mir treu?“
„Ja,“ sagt sie getrost, „das beschwöre ich hier. –
Doch kannst du's beschwören? – Wie steht es mit dir?“
Da sagt er und schließt in die Arme sie ein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

9.
Ich war mal beim Rennen – vor mir saß 'ne Maid
mit 'nem Hut von der Größe – (zeigend) so lang und so breit.
„Ach, nehm' sie in ab,“ sagt' ich, „sei'n sie so gut!
Ich seh' Nichts.“ – „Was,“ sagt sie, „Sie seh'n doch den Hut.
Nun woll'n sie noch's Renn'n seh'n hier draußen im Frei'n?
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

10.
Zwei Hüter der Ordnung – ich sage nicht wo,
gehn nachts durch die Stadt, unterhalten sich vor.
Da, schrecklich, ein Schrei! – Ist es Raub oder Mord?
„Da müssen wir hin,“ sagt der eine sofort.
„Warum?“, sagt der andere, „dass sie doch schrei'n –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

11.
Mein Pudel hat kürzlich acht Junge bekomm'n –
hab einen entsetzt in die Arme genomm'n –
„Was ist's für 'ne Rasse? – Ich sinne und schwitz',
ob Pudel, ob Moppel, ob Dackel, ob Spitz –
und er schaut, als wollt er mir sagen voll Pein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

12.
Mein Freund hat 'ne Kneipe – dort hab' ich bestellt
ein Rostbeef vom Ochsen für teures Geld.
Da find' ich vom Ross einen Hufnagel drin.
Ich sage zum Wirte: Was stellst du mir hin?
Ist's Rostbeef – ist's Rossbeef?“ – Da sagt er: „Schluck's rein –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

13.
Die Kellner, die woll'n heut' keine Trinkgelder mehr.
Sie woll'n festen Lohn – das betonen sie sehr.
Ich sagt' zu 'nem Kellner: „Nun geb'n sie mal acht –
gesetzt, ich hätt' sechzig Mark Zeche gemacht –
und geb' ihnen hundert hin – sag'n sie da „Nein“?“
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

14.
Ein sehr armer Schlucker, der – früher im Flor –
sein Geld durch die Steuern so ziemlich verlor,
er sprach zu Herrn Stinnes: „Ich lebe recht knapp.
Die machen den sie's? Geb'n sie auch alles ab?“ –
Da lachte Herr Stinnes und ließ ihn allein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

15.
Zum Michel sprach kürzlich ein Herr der Entente:
„Ihr müsst alles zahlen das, was ihr verlangt.
Nun sage ganz frei, denn hier wird nicht geprahlt:
Wann habt ihr die Schulden uns restlos bezahlt?“
Da sagt der Michel und lächelt fein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

16.
Hier oben zu stehn, ist sehr schwer neuerdings.
Mal schimpft man auf rechts und mal schimpft man auf Links.
Das Publikum sagt oft: „ 's ist wirklich kurios –
zu welcher Partei denn gehören sie bloß?“
Da sagte ich pfiffig zu allen Partei'n:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

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