Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Meine liebe Lene denkt an alles

Meine liebe Lene denkt an alles
Original-Vortrag. Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 294

1.
Reiste schon sehr weit in aller Welt umher,
manche Maid, die macht mir schon den Abschied schwer.
Doch jetzt kenn' ich eine – Lene nennt sich die –
'ne Maid wie sie – verlässt mich nie.
Lene, die ersetzt mir 'ne Familie gleich,
ist mir Mutter, Tochter, Braut und Frau zugleich.
Wenn ich singe, steht sie hinter mir bereit.
Meine liebe Lene weiß Bescheid
wenn ich hier so ganz alleene steh',
freu'ich mich, wenn ich die Lene seh'.
Meine liebe Lene denkt an alles.
Sing' ich hier des abends die Chansons
und sing' etwas leiser und bin heiser,
steht sie hinten schon mit Brustbonbons,
bringt mich nach der Pause gleich nach Hause,
hüllt mich ein und sagt voll Seligkeit:
„Wenn ich bei dir sitze, kommst du bald in Hitze.“
Meine liebe Lene weiß Bescheid.

2.
Wenn es regnet, kommt sie mit dem Schirm gerannt.
Wenn es kalt ist, hat sie meinem Pelz zur Hand.
Fehl'n Zigarr'n, dann geht sie ins Geschäft sofort,
gibt denen dort – ein gutes Wort.
Essen schafft sie an, läuft sich die Hacken krumm,
was sie von nicht kriegt, des kriegt sie hintenrum.
Schinken, Butter, Eier – alles, was ich brauch'!
Ihr verdank' ich meinen Friedensbauch.
Hat sie Schweizer Käse, gibt sie mir
stets den Käs' – die Löcher bleiben hier.
Meine liebe Lene denkt an alles.
Reis' ich fort, packt sie mir alles ein,
Hose, Rock und Hemde für die Fremde,
Tücher für den Hals und Schuh'fürs Bein,
Handschuh', braune, rote, für die Pfote
und zum Schluss Konfekt voll Süßigkeit
und zwei Schokolädchen für die kleinen Mädchen.
Meine liebe Lene weiß Bescheid.

3.
Heiratssorgen machen uns den Kopf nicht bang'.
So was überlegt man sich Jahrzehnte lang.
Kürzlich machten wir 'nen Ausflug, hielten Rast,
hab'n in der Hast den Zug verpasst.
„Gut“, sagt sie, „wir bleiben im Hotel die Nacht,
Bürste, Kamm und Seife hab'ich mitgebracht.“
Im Hotel schrieb in das Fremdenbuch sie kühn:
„August Schulz nebst Frau aus Neu-Ruppin.“
Steckt, als es zur Abendtafel ging,
an den Finger mir 'nen Ehering.
Meine liebe Lene denkt an alles.
Alle Gäste sah'n uns an genau.
Sie sagt: „Musst betrübt sein, – nicht verliebt sein,
sonst hält man uns nicht für Mann und Frau.
Musst nach andern hier seh'n, nicht nach mir seh'n,
schimpft mit mir und komm' mit mir in Streit,
dann hält man uns heute schon für Eheleute.“
Meine liebe Lene weiß Bescheid.

4.
Eifersüchtig ist die liebe Lene nie.
„Mache, was du willst“, sagt alle Tage sie.
Kürzlich schrieb 'ne fremde junge Dame mir:
„Zum Kaffee komm zu mir um vier.“
„Ach“, dacht' ich, „die weiß nicht, dass die Lene hier.“
Meine Lene fand den Brief, sagt nichts zu mir.
Ich vergaß die Sache – als ich mittags schlief,
kam die liebe Lene mit dem Brief.
„Steh' doch auf, du fauler Schläfer, du!
's ist gleich vier – du musst zum Rendezvous.“
Meine liebe Lene denkt an alles.
„Komm“, sagt sie zu mir, „ich mach' dich fein.“
Gibt nur noch 'ne Rose zu der Chose,
macht Parfüm ins Taschentuch mir ein.
Sagt zu mir: „Nun rühr' dich, amüsiert dich,
kommst ja doch zurück nach kurzer Zeit.
Nach der Kaffeepause schickt sie dich nach Hause.“
Meine liebe Lene weiß Bescheid.

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