Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Der tapfere Italiener

Der tapfere Italiener
Original-Potpourri (nach bekannten Melodien) für 1 Singstimme von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 237
(Der Vortragende tritt möglichst in der Uniform eines italienischen Soldaten auf; eventuell genügt zur Darstellung schon der bekannte gut der italienischen Bersaglieri)

Signore, Signorias, Bona Sera!
Seid alle hier gegrüßt von mir.
Ich bin ein Held vom italien'schen Heere;
der mich bedroht, den Schlag mich tot.
Der Deutsche liebt den braven Italiano –
er liebt ihn sehr, vom Dreibund her.
Mein Herz schlägt für den Deutschen nur piano,
wenn ich Ihnen brauch, lieb ich ihn auch.
Schad't nichts, macht nichts, 's ist mir einerlei,
Schad't nichts, macht nichts, wir pfeifen auf die Treu' –
Funikuli, funikula, 's weiß groß und klein,
Italien ist das schönste Land,
zu schön, um treu zu sein.
Ich knüpfte manche zarte Bande:
ich liebte die Pariserin,
ich schielte nach dem Engelande,
es zog mich auch nach Russland hin.
Ja, alle die poussiert ich fleißig,
sonst Krieg die Liebe leicht ein Loch.
Nur von den deutschen Michel weiß ich:
Betrüg' ich ihn, er liebt mich doch.
O liebes, deutsches Bruderie,
du bist ein dummes Luderie!
Dass du mich liebst, das weiß ich,
auf deine Lieb' da – da – – da – – –
dass mich die Leute so gerne hab'n,
er kann dafür, der kann dafür?
Wisst ihr, warum hat uns jeder solid
weil wir befolgen das edle Prinzip:
„Üb immer Treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab
und schneide nie zwei Finger breit
von fremden Ländern ab.“
Wir warteten schon langie,
wir wollten nicht anfangie,
jedoch der kranke Mann,
der fing den Krieg nicht an.
Da kann man seh'n, der Turkie
das ist ein fauler Schurkie –
er wollt' nicht übers Mittelmeer,
hat keine Mittel mehr.
Drum sprach der Herzog der Abruzzen:
„Lasst uns von dem Türken nicht mehr uzen!
Der Türke will nicht anfang'n,
da fang'n wir selber an.
Denn einer muss doch anfang'n,
sonst kommt der keiner dran.“
Der Graf Kiderlen, der Wächter,
saß bei Frankreichs Reichsverfechter,
dem gerissenen Cambon.
Da dacht' ich: Die werd'n nichts merken,
es schreist du dich zu dem Terken,
gibst ihm eins auf den „Jambon“.
Der Türke sprach: „Die kannst du mich so störien?
Du musst mir vorher doch den Krieg erklärien.“
Ich aber sprach: „Du darfst dich nicht beschwerien,
denn dieser Krieg, den kann kein Mensch erklärien.“
„Wer will unter die Soldaten?“
Rief ich nun im ganzen Land –
und nun kam'n Sie angerannt;
Mausefall'n, widibumbumbum,
Männer mit der Orgel rum,
Gipsügurihandelsmann
stellten sich zum Heere an.
Nicht allzu reinlich war die Schar,
Wäsche wahrscheinlich
vom vor'gen Jahr
viele erschienen
schmutzig, 's ist wahr.
Ein'ge von Ihnen
hatten sogar – leise – – –
ganz leise tönts durch den Raum:
„Siehste wohl, da kimmt er,
Tripolis, das nimmt er –
nun sitzt der türkische Soldat
in italienischen Salat“
Der Sultan rief: „Ihr Bande,
raus aus dem Lande!
Ich werd' den andern Staaten
mein Leid verraten!
Die werden's euch schon geben.“
Doch ich sprach froh:
„Da kannst du was erleben,
die machen's g'rade so.
Doch willst den Frieden du in Permanenz,
dann schreib mal an die Friedenskonferenz.“
Jetzt endlich kann Italien triumphiero,
ich steh als Hled
vor aller Welt,
wenn auch die Blätter schreib's, das hier verliero,
das ist doch klar,
das ist nicht wahr.
Jetzt ist es mit der türk'schen Flotte fini,
ich schlag' die Flott' total kapott.
Bin ich nicht größer wie der Rinaldini?
Der Feind ist, ich denk bloß:
Schad't nichts, macht nichts, 's ist mir einerlei!
Schad't nichts, macht nichts, ich schlag den Kerl zu Brei –
Funikuli, Funikula, jetzt geb'n Sie acht!
Den riesenstarken Feind, den hab' ich mit hierher gebracht.
(Der Vortragende geht, einen kleinen gefesselten Türken, der durch einen kleinen Knaben dargestellt wird, hinter sich her führen, nach den Klängen der Musik gravitätisch ab)

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Anm.: sollte beim Vortragen dieses Potpourri is Italien endgültig gesiegt haben, so singe man zum Schluss nach den Worten: „Dann schreib mal an die Friedenskonferenz“ folgendes:

Jetzt endlich ist der große Wurf gelungie –
ich steh als Held – vor aller Welt –
der riesenstarke Feind, der ist gezwungie,
es war nicht leicht, doch 's ist erreicht.
Jetzt ist es mit der türk'schen Flotte fini,
ich schlug die Flott – total kapott.
Bin ich nicht größer wie der Rindaldini?
Der Feind war – ich dachte bloß:
Schad't nichts, macht nichts .... usw. bis zum Schluss

Sollte indes die Türkei einen Vorteil davon tragen, so ändere man den Schluss wie folgt:

Jetzt strahlt Italien in neuer Gloria.
Ich steh als Held – vor aller Welt –
was auch die Blätter schreib'n, das wir verloria –
das ist doch klar – das ist nicht wahr
jetzt ist es mit der ......   usw. wie bei der ersten Abänderung

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