Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Es saßen sechs Männer beim perlenden Wein

Es saßen sechs Männer beim perlenden Wein
(Wie lang'möcht'st du leben?)
Original-Couplet, Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 210

1.
Es saßen sechs Männer beim perlenden Wein,
die füllten vom Faß ihre Becher,
„Wie kurz ist das Leben, könnt's länger nicht sein?“
seufzt einer der wackeren Zecher.
„Hast recht" schrien die andren, „so denken auch wir,
zu kurz ist die Freude, die Wonne.“ – – –
Da schwebte ein Engel herein zu der Tür
und setzte sich keck auf die Tonne.
Er sagte: „Ich hab' euer Klagen gehört,
wie lang wollt ihr leben? Es sei gewährt!"

2.
Nun sagte der Erste: „O, hätte ich Zeit,
bis endlich nach endlosen Streite
die Völker sich einen, bis alles gedeiht –
und grob nur alleine macht Pleite.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

3.
Nun sagte der Zweite: „O, bliebe ich,
bis dass uns der Zukunft-Staat näh'r ist,
bis Deutschland 'ne riesige GmbH
und jeder ein Aktionär ist.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

4.
Nun sagte der Dritte: „O, gönn' mir die Frist,
bis man mit den Steuern uns Ruh' gibt,
bis jeder in Deutschland ganz steuerfrei ist
und bis uns der Staat noch was zu gibt.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

5.
Der vierte sprach: „Lebt' ich, bis Jude und Christ
ein inniges Bündnis vereine –
und bis vor dem Schloss in Berlin uns begrüßt
das Denkmal von Heinrich Heine.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

6.
Nun sagte der Fünfte: „Auf Dich will ich bau'n,
o lebt ich, denn ich bin ein Kenner –
so lange, bis alle verheirat'ten Frau'n,
so brav sind und treu – wie die Männer.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

7.
Nun sagte der Letzte:"Ich bin schon ein Greis,
und lebe nicht mehr als zu gerne –
drum wünsch' ich ein Ziel, das recht nahe ich weiß,
ich schweif nicht, wie ihr, in die Ferne.
Ich bin sehr bescheiden – ich wünsche nicht viel – –
ich wünsch' ein ganz nahes, erreichbares Ziel –
wünsch' nur noch so viel Lebensfrist,
bis – – Eulenburg verurteilt ist.“ – – –
(Langsam und getragen singend)


Das stand der Engel auf
und sprach zu ihm darauf:
„Das längste Ziel erwählt'st du dir,
du überlebst Sie alle hier.
Brauchst vor dem Tod nicht beben,
denn du wirst ewig leben."

(Anm.: in der hier wiedergegebenen Textfolge wird das Couplet vom Verfasser gesungen. Dem, der das Couplet verlängern oder statt der oben angegebenen Strophen ein paar andere einschalten will, seien noch 2 weitere Strophen zur beliebigen Verlängerung gestellt.)

Nun sagte der.....: „Oh, bliebe ich hier,
bis oben den Mars wir begrüßen.
Bis hoch mit dem Luftballon rauffahren wir
und kitzeln die Leut' (nach oben singend) an den Füßen.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

Nun sagte der.....: „Sofern dir's gefällt,
will ich mit der Frist mich begnügen,
bis unsere Frauen regier'n auf der Welt
und bis wir die Kinderlein kriegen.“
Da sagte der Engel; "Dein Wunsch sei erhört,
doch weiß ich wohl etwas, das länger währt."

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