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Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Pst! - Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!

Pst! - Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!

Original-Couplet von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 184

(Anm.: bei jeder Strophe wird der Vortragende an der bezeichneten Stelle durch ein lautes Pst!-Rufen des Pianisten oder der Musik-Kapelle unterbrochen)

1.
Ich lobe mir mein Vaterland,
Jumheidi, jumheida,
da lebt sich's herrlich und charmant,
Trallalalalala.
Neue Steuern gibt es täglich,
Ach, es ist fast unerträglich.
Zeigt man nicht zur rechten Zeit,
liegt der Mannbrief schon bereit.
Will man aber reklamieren,
wagt man es zu räsonieren,
Ei, dann heißt es: Sei nicht faul,
zahle schnell und halt – –
(Pianist, resp. Musik-Kapelle ruft laut: Pst! Gesprochen zu dem Zischer:)
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
(Gesungen zum Publikum:)
Sie wissen, was ich sagen will.

2.
Wer heut 'nem Andern etwas nimmt,
Jumheidi, jumheida.
Ist kleptomanisch ganz bestimmt,
Trallalalalala.
Aber werden seine Taten
von 'nem Andern mal verraten,
dir etwas erpressen möcht,
dann ergeht es diesem schlecht.
In das Loch steckt man den Hehler.
Während dessen bleibt der Stehler
quietscht vergnügt in Freiheit noch,
seh'n Sie, der müsst auch in's – – Pst!
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

3.
Den Gen'ral Stößel pries man sehr,
Jumheidi, jumheida.
Doch anders las man's hinter her,
Trallalalalala.
Abschied hat er jetzt bekommen,
ja, sein Amt ward jetzt genommen –
aber trotzdem – voller Lust,
schlägt er sich auf seine Brust.
Und er denkt: In dieser trüben
Zeit ist mir ein Trost geblieben.
Ich bekam ja aus Berlin
einen – – – Pst!
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

4.
Sehr streng ist oft die Polizei,
Jumheidi, jumheida.
An uns're denk ich nicht dabei,
Trallalalalala.
Nein, ich denk an Russland heute.
Denn dort mal ne Menge Leute
bei 'nem Auflauf etwas schrei'n,
haut man mit den Säbel d'rein.
Manchmal trifft man nur den Finger,
na, dann ist der Schmerz geringer.
Aber manchmal, wie bekannt,
nimmt man auch die ga – – Pst!
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

5.
Es lebe hoch die Sittlichkeit,
Jumheidi, jumheida.
In Wien ist man besonders weit,
Trallalalalala.
Rubens darf auf seinen Bildern
nackte Schönheit nicht mehr schildern.
Doch der Schönes würd'gen kann,
sieht sich's unbefangen an.
Aber schaut so'n alter Mucker
auf so'n Bild per Operngucker
und er findet das gemein,
der ist selbst das gr – – Pst!
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

6.
Der gute Onkel Hohenloh –
Jumheidi, jumheida.
Im Leben war er man so so,
Trallalalalala.
Jetzt, 8 Jahr nach seinem Tode,
kam der Mann erst in die Mode,
schrieb vom Bismarck mancherlei,
manches alt und manches neu,
ja, er nannte auch Personen,
die noch auf der Erde wohnen.
Manchen ärgert das nun sehr.
Selbst den – – – Pst!
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

7.
Im Reichstag gibt's Diäten jetzt,
Jumheidi, jumheida.
Das hat die Herrn dort sehr ergötzt –
Trallalalalala.
Soweit wer nun alles richtig –
doch ein Umstand, der ist wichtig –
wer beim Abstimm'n nämlich fehlt,
kriegt das Geld nicht aufgezählt.
Wer in dem Moment nicht dort ist
und an einem anderen Ort ist,
ruft gewiss dort wütend aus:
„Gerade jetzt da musst ich – – Pst!
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

8.
So lang es Wein und Hopfen gibt,
Jumheidi, jumheida.
Bleibt auch die Trinker Reih beliebt,
Trallalalalala.
's trinkt der Bettler und der König –
einer mehr, der and're wenig –
so zum Beispiel 'n Schneiderlein
ringt 'nen Fingerhut voll Wein.
Doch ich kann auch Leute nennen,
die sehr viel vertragen können
Musikanten namentlich,
na, die – – – Pst!
(Diesmal besonders energisches Zischen. Ein Musiker ruft ungefähr: „Ruhe! Was geht das Sie an!“)
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
(Auf den Musiker deutend)
Sie wissen, was ich sagen will.

9.
Wie hatte leicht es und bequem,
Jumheidi, jumheida.
Ein Hochzeitspaar von ehedem,
Trallalalalala.
Nach der Hochzeit blieb das Pärchen
mindestens beinah ein Jährchen
ganz allein. – In uns'rer Zeit,
Ach, tun mir die Mädchen leid.
Schon auf Ihrer Hochzeitsreise,
ja, selbst oft, merkwürd'ger Weise,
Eh' sie noch verheirat't sind,
kommt der Storch und br – – – Pst!
(Zischen und Pfeifen recht lebhaft)
Was woll'n Sie denn? Ich bin ja still!
Sie wissen, was ich sagen will.

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