Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Gib du mir deine, ich gebe dir meine

Gib du mir deine, ich gebe dir meine.

Original-Couplet von Otto Reutter
Teich/Danner 183a

Neue Version von Nr. 183

1.
in einer Laube sitzt ein junges Liebespärchen.
„Ich liebe dich“, so flüstert Paul zu seinem Klärchen.
Er hat kein Geld und singt trotzdem voll Liebesbeben:
„Komm auf mein Schloss mit mir – reich mir die Hand mein Leben.
Lehn deinen Kopf an meine Brust“, so sagt er liebentbrannt –
„Und lege deine Hand hinein in meine Hand.
Gib du mir deine – ich geb dir meine.
Die leg'n wir ineinand' – dann wird's zusammen eine.
Hier hast du meine.
Wo ist denn deine?
Man sieht sie kaum – es ist ja man 'ne ganz kleine“.

2.
So mancher möcht' heut', wie Zepp'lin die Luft durchfliegen,
jedoch von jeden lässt die Luft sich nicht besiegen.
Jüngst sah ich jemand, wie er Flugversuche machte.
Er kam nicht hoch. – Ein Sperling stand dabei und lachte.
„O, hast du große Flügel“, sprach der kleine Vogel da.
Da sprach der Mann, als er die Spatzen-Flügel sah:
„Gib du mir deine – ich geb dir meine“.
„Nein die gefall'n mir nicht“, sprach da der Spatz, der kleine.
„Du brauchst 'ne Leine –
ich brauche keine.
Ich mache „Pip“, fliegt hoch, dann geht's von ganz alleine.

3.
Man fahndet heute oft nach unerlaubten Bildern.
Was die Natur erschuf, das darf kein Maler schildern.
Erst kürzlich sagte mir zwei sittenstrenge Leute:
„Ihr konfiszierten eine Menge Bilder heute“.
Doch als sie dann alleine war'n, verschlossen Sie die Tür.
Dann sprach der eine zu dem andern voll Begier:
„Zeig du mir deine – ich zeig dir meine –
denn diese Bilder, die sind nichts für's Allgemeine.
Nur wir zwei Reine
Seh'n sie alleine
und dann wird drauf geschimpft im Sittlichkeitsvereine“.

4.
„Wir wollen sein ein einig Volk von gleichen Brüdern.
Auch dem geringsten woll'n wir seine Lieb' erwiedern"-
So hieß es kürzlich im Verein für Mittellose.
Da meldet sich ein armer Mann in schäb'ger Hose.
Zum Präsidenten sprach er und hielt seine Börse hin:
„Wir soll'n doch Brüder sein, schau her, da ist nichts drin.
Gib du mir deine – ich geb dir meine.
Ich hab drei Pfenn'ge und du hast drei blaue Scheine.
Erhältst du deine
für dich alleine,
dann, Bruder, kannst du mich..... Du weißt schon, wie ich's meine“.

5.
Herr Schmidt trifft Schulze, seinen Freund, mal im Theater.
Schmidt hat 'ne böse Frau, ist siebenfacher Vater.
Schulz ist noch frei und sagt zum Schmidt mit froher Miene:
„Guck, meine Braut ist Balleteuse auf der Bühne –
tanzt die nicht schöne da oben? Sie dir bloß die Beine an“.
„Ach, ist die schön“, dacht' Schmidt und sprach zu Schulzen dann:
„Gib du mir deine – ich geb dir meine".
„Nein“ sprach Frau Schmidt, die neben saß, „hier hast du deine,
guck nicht auf meine –
lieb mich alleine –
und willst du Beine sehen, dann beguck dir meine“.

6.
Zu einem Deutschen, da sprach jüngst ein Engeländer:
„Mein lieber Freund, du bist ein riesiger Verschwender.
Nur immer Schiffe bauen, das ist dein Bestreben.
Du brauchst sie nicht, da wir doch steht's in Frieden leben“.
„Gut“, sprach der Deutsche, „Brauch ich meine Schiffe niemals mehr,
brauchst du auch deine nicht, drum bitte ich dich sehr:
gib du mir deine – ich geb dir meine –
du hast sechs große und ich hab nur drei kleine.
Jedoch, ich meine,
du liebst zum Scheine,
nimmst mir am liebsten noch die drei, dann haste neune“.

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