Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Na, nu tun Sie man nicht so

Na, nu tun Sie man nicht so

Original-Couplet von Otto Reutter

Teich/Danner Nr.143

1.
Der russ'sche Bär,
der dachte: „Mir kommt keiner gleich,
denn rings umher
gibt's kein so mächtig großes Reich.
Ich geh voran,
denn ich bin groß und ihr seid klein!“
So kam er an die Mandschurei
und prompte: „Die wird mein!
Und wem's nicht passt, den schlage ich!“
Doch der Japaner dachte sich:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!“
Schnell rückte der Japaner ran
und zu dem Russen sprach er dann:
„Siehste wohl, du tatest g'rad,
wie so'n Riese Goliath.
Jetzt plumpst du großer Riese hin,
weil ich der David in.“

2.
Zum Rentier Kraus
ging ich zu einer Festlichkeit.
Die Frau vom Haus,
die feierte Geburtstag heut.
Sobald die zwei
allein sind, dann gibt's Verdruss.
Heut schenkt er ihr 'nen Blumentopf
und sie gibt ihm nen Kuss.
„Welch glücklich Paar!“ rief jeder aus,
doch ich sprach leise zur Frau Kraus:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!
Sobald hier die Gesellschaft heraus,
ist's auch mit ihrem Frieden aus
ja, dann streiten sie sich sehr –
dann kriegt er kein Küsschen mehr –
doch den geschenkten Blumentopf,
den kriegt er – an den Kopf!“

3.
ne Lehrerin,
die geht mit ihren Kindern aus
durch Feld dahin.
Da fliegt ein Storch Nest heraus
„Schaut an“, sprach sie,
„Der Storch, der durch die Luft sich schwingt,
ist der bekannte Vogel, der die kleinen Kinder bringt“.
Da lachten alle Mägdelein
und fingen fröhlich an zu schrei'n:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!
Wo hab'n Sie denn das Märchen her?
Das glaub'n wir selber schon nicht mehr!
Und die Kleinste sprach ganz schlau:
„Bist doch schon ne große Frau.
Den Vogel, der die Kinder bringt,
den kennste ganz genau!“

4.
Die Kaiserin
von Russland, die bekam nen Sohn –
und immerhin,
geschah das in Italien schon.
Die beiden Frau'n,
die sind natürlich sehr erfreut,
dass sie nen Sohn bekommen haben
nach so langer Zeit.
Wir aber hier im Deutschen Reich,
wir lachen nur und sagen gleich:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!
Ihr freut euch wegen einem Prinz!
Das schaut mal uns an – sechse sind's.
Daraus sieht doch jedermann:
's Deutsche Reich geht stets voran!
Bis ihr so weit wie Deutschland seit,
da hat's noch lange Zeit.“

5.
Vor ein'ger Zeit
ging ich zur Bahn zum Zeitvertreib.
Voll Herzeleid
stand dort ein Mann bei seinem Weib.
Sie wollt ins Bad.
Das schien ihm riesig nach zu geh'n.
Dabei war seine „bess're Hälfte“
weder jung noch schön.
„Ach“, stöhnte er, „mein Schmerz ist.“
Ich stand dabei und dachte bloß:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!“
Von außen heut er jämmerlich –
im Innern aber freut er sich.
Wenn der Zug erst um die Eck,
dann sind auch die Tränen weg.
Wer weiß, so dacht ich voller List,
wo du heut Abend bist!

6.
Ein Eh'gemahl,
der heimlich oft herum poussiert,
der ist einmal
mit seiner Frau herum spaziert
da kam des Wegs
ne hübsche, flotte Maid da her –
und zum Entsetzen seiner Frau
grüßt die in ganz legär.
„Wer sind Sie?“, fragt empört der Mann.
Doch jeder lacht und sagt alsdann:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!
Wir beide kenn'n uns doch von früh'r,
du warst doch neulich erst bei mir
hast wohl ne andere jetzt erwischt,
lieber Fritz, das ist doch nischt.
Die sieht ja schön aus!“, sagt sie keck,
„Die stell man wieder weg!“

7.
In einer Stadt,
da wohnt ein Mädchen – ohne Mann.
Doch trotzdem hat
die schon ein Kind, das laufen kann.
's kommt manches Mal
zu ihr der reiche Bankier Schmidt.
Der schaut das Kind dann zärtlich an
und bringt ihm auch was mit.
„Wie heißt du?“ frug er jüngst das Kind.
Der Engel aber sprach geschwind:
„Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!
Wer ich bin, weißt du sicherlich.
Du schickst doch immer Geld für mich!
Lieber Freund, du bist erkannt!
Wir sind ziemlich nah verwandt,
denn ohne dich und die Mama
wär ich doch gar nicht da!“

(Anm. wird der vortragende heraus gerufen und will nichts weiter vortragen, so ist es

von guter Wirkung, wenn er den Refrain des Liedes zur Abwehr als da capo singt)

Na, nu tun Sie man nich so!
Na, nu tun Sie man nich so!
Sie seh'n, dass ich nicht weiter kann –
die Ander'n woll'n doch auch noch ran.
Darum schließ ich mein Couplet.
Mir tut schon der Schnabel weh.
Das Lied ist aus – der Vorhang fällt –
Sie hab'n genug für's Geld!

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