Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Ja, 's ist nirgends schöner als wie auf der Welt!

Ja, 's ist nirgends schöner als wie auf der Welt!

Original-Marsch-Couplet
Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr.126


1.
's wird immer schöner auf der Welt –
die Abwechslung ist –
in Russland, China, Japan, wo
man hinschaut, ist was los.
Auf dem Balkan tönt immerfort
ein wilder Kriegesruf –
ja, in Italien hat sogar
empört sich der Vesuv.
Sehr viel geschah auch in Amerika.
Der Herr von Speck ist, wie bekannt,
dort als Gesandter hin gesandt.
Herr Roussevelt hieß ihn bekommen zu den Zweck.
Da kann man seh'n: der Roussevelt geht ran an'n Speck.
Das Denkmal vom alten Fritz
soll nach Amerika. –
Das Goethe Denkmal soll nach Rom,
und niemand will sie da.
Für Kunst geschwärmt hat Goethe einst,
für Freiheit schwärmte Fritz –
und g'rad die beiden geb'n wir weg,
das ist ein guter Witz!
Ja, 's ist nirgends schöner als wie auf der Welt!
Wo noch Platz ist, wird ein Denkmal hingestellt.
Wenn ihr nun schon nach Amerika ein Denkmal senden müsst,
dann schickt doch Otto 'n Faulen, der wird nicht vermisst!

2.
Ministerwechsel immer zu,
das geht hinein – hinaus,
kaum dass sie richtig drinnen sind,
da komm'n Sie wieder raus
sich Einzelleben in das Amt,
hat wirklich keinen Zweck,
denn eh Sie was davon versteh'n,
da komm'n wieder weg.
Ach, meine Herr'n, es tut mir riesig leid,
dass ihr nur immer kurze Zeit
auf irgend einem Posten seit,
stellt euch mal läng're Zeit auf einen Posten ein,
dann werdet ihr ganz anders auf dem Posten sein.
Herr Windheim war, wie allbekannt,
erst Chef der Polizei.
Nach Frankfurt war er dann versetzt,
auch das ist schon vorbei.
Befördert wurdest du geschwind,
drum Preis ich dich in Reim:
Du flogst durch einen guten Wind
schnell in ein besseres Heim.
Ja, 's ist nirgends schöner als wie auf der Welt!
Die Minister werden sehr oft kaltgestellt,
von dem Äußern hat man selten mal Äußerung erwischt,
hingegen die vom Innern er innern sich an nischt!

3.
Das Glück der sozialen
Demokraten ist sehr,
besonders in dem Sachsenland
ist jetzt der Teufel los.
Die Landesfarb war grün und weiß –
jetzt hab'n Sie Ihre Not,
denn seit den letzten Wahlen ist
die Landesfarbe rot.
Jetzt kommt (kam) ein neuer Vizepräsident.
Jedoch Herr Singer und sein Tross,
die schwärmen nur für's "Rote Schloss",
zu Hof zu gehen, fällt Herrn Singer gar nicht ein.
Wer an die Höfe geht, muss nämlich höflich sein!
Herr Bebel ist am besten dran,
sein bied'res Herze lacht.
Ihm ist ne ganze Menge Geld
als Erbschaft jetzt vermacht.
Nun rufen die Genossen gleich:
„Du, teil mal brüderlich!“
Doch Bruder Bebel, der ist jetzt
der beste Bruder nicht.
Ja, 's ist nirgends schöner als wie auf der Welt!
Durch 'ne abschafft kam der Bebel jetzt zu Geld.
Doch man sagt, der's ihm vermacht hat, der war etwas verrückt.
Ja, wer er's nicht gewesen, dann hätt' er's nicht geschickt!

4.
In Ungarn ist man aufgeregt,
ein streitet hin und her,
soviel dort auch bewilligt wird, Sie woll'n
noch immer mehr!
Ach, liebe Ungarn mäßig euch –
mir tut bei diesem Streit
vor allem nur in Österreich
der alte Kaiser leid! –
In der Türkei, da wohnt der kranke Mann,
jüngst sprach den Sultan jemand an:
Warum nennt man dich „kranker“ Mann?
Er sprach voll Zorn: „Schaff du dir 60 Weiber an,
dann wärt's nicht lang, da bist du auch ein kranker Mann!“
Der Peter, Serbiens König, dem
es an Moneten fehlt,
schrieb jüngst an einen Fürsten: „Ach!
Schick mir doch etwas Geld!“
Der aber schrieb ihm: „Gehe nur
zu dein'm Off'zierenchor,
's wird gar nicht lange Dauer mehr,
dann schießen sie dir was vor!“
Ja, 's ist nirgends schöner als wie auf der Welt!
Doch zum Leben braucht man auch ne Menge Geld –
denn das Leben ist zwar schön, doch etwas teuer, wie Sie seh'n,
man kann's auch bill'ger haben, doch dann ist es nicht so schön!

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