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Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Das ist der stille Compagnon

Das ist der stille Compagnon

Original-Couplet von Otto Reutter

Teich/Danner Nr.110

1.
Jüngst sah ich mal den Tod spazieren gehen –
mit seiner Sense mäht er hin und her –
vor ner Motormaschine blieb er stehen,
er frug mich, ob ich wüsste, was das wär!
Ich sprach: „Das ist ein Aut'mobil.“
„Ja,“ sprach er, „dem verdank ich viel.
Das ist mein stiller Compagnon –
hier die Maschine ist sehr bon -
hab sonst zur Arbeit meine Sense nur benützt,
jedoch, da kommt man nicht vom Fleck,
nur Handarbeit hat keinen Zweck,
drum Wert ich durch Maschinenarbeit unterstützt!“

2.
In Frankreich wohnt ein tücht'ger Kriegsminister –
wenn dieser Herr mal etwas gut soupiert,
dann spricht er viel – Revanche begierig ist er,
er sagt: „In nächster Zeit wird Krieg geführt.“
Auch die Marine hat nen Herrn,
der schimpft und tobt genau so gern.
Das ist sein „stiller“ Compagnon –
die beiden geben kein Pardon,
sind überzeugt von ihrem großen Renommee,
der eine und auch der André.
Die haben beide beim Souper
nen größeren Schnabel als der sel'ge Boulanger!

3.
Die Lina liebt nen schneidigen Soldaten –
sie packt ihm stets das beste Essen ein.
Jüngst aß die Herrschaft saft'gen Gänsebraten.
Die Hausfrau frug: „Wo mag die Leber sein?“
Die Lina sagt, dass sie's nicht wüsste –
und denkt: „Ich weiß wohl, wer das isst!
Das isst mein stiller Compagnon
vom sieb'ten Jägerbataillon,
der kriegt die Leber und schenkt mir sein Herz dafür.
Und weil er abends oft zu spät
hinein in die Kaserne geht,
nimmt er noch etwas mit für seinen Unt'roff'zier!

4.
Frau Kunze's Mann, der ist schon sehr bei Jahren –
drum ein Assessor schneidet ihr die Kur.
Im Sommer wünschte sie, ins Bad zu fahren.
Ihr Mann sagt: „Ja, ich bleibe gern retour.“
Am Bahnhof scheidet sie vom Mann,
da schleicht ein anderer zu ihr ran!
Das ist sein stiller Compagnon,
der stand schon auf dem Bahnperron,
kehrt mit Frau Kunz und hat den Alten ausgelacht.
Der Eh'mann glaubt, sie macht ne Kur,
jedoch bestimmt zur Hälfte nur.
Die Frau macht nicht die Kur – die Kur wird ihr gemacht.

5.
ne Amme sah ich jüngst ein Knäblein tragen,
der kleine Bengel machte viel Geschrei –
ein 2. Knäblein schlief im Kinderwagen.
Ich frug erstand: „Hab'n Sie die alle Zwei?“
Da zeigt den Ersten Sie vergnügt
und sprach: „Der Zweite, der hier liegt,
das ist sein stiller Compagnon,
der kriegt die Hälfte der Bouillon,
er ist sehr stille und ich stille auch voll Lust.
Doch 's ist auch schwierig allerdings –
der eine rechts, der andere links.
Zwei Menschenseelen wohnen – Ach – an meiner Brust!“

6.
'nen Straßenkehrer hab ich jüngst gesehen –
ich dachte bei mir, der Mann der tut mir leid –
ne Dame sah ich dann vorübergehen,
in einem endlos langen Schleppenkleid.
Da frug der man mich voller List:
„Wisst ihr, wer jene Dame ist?
Das ist mein stiller Compagnon –
der hält die Straßen in Räson –
an jedem Nachmittag, da geht Sie hier entlang –
ich tue nichts und bin vergnügt,
denn was ja auf der Straße liegt,
das nimmt Sie mit nach Haus – dann ist die Straße blank!“

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