Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Der Weihnachtsmann


Original-Solo-Szene
von Otto Reutter

Teich/Danner Nr.61

Anm.: diese Nummer eignet sich für jedes Weihnachtsfest und für jeden Bescherungsakt. Der Vortragende tritt in den typischen Kostümen des Weihnachtsmannes auf, oder er trägt die  Szene im Frack vor. Auf der Bühne steht ein gedeckter Tisch, dessen herunterhängende weiße Decke die Inschrift „Eine nette Bescherung!“ tragen kann. Auf dem Tische steht, wenn möglich, ein Weihnachtsbaum, außerdem liegen die Gegenstände auf den Tisch, die im Couplet besungen werden.

Auftrittslied

Alle Jahre wieder
kommt der Weihnachtsmann
auf die Erde nieder,
bringt die Gaben an!
Kehrt mit seinen Gaben
ein in jedes Haus,
jeder will was haben,
leer geht niemand aus.

Gesprochen
(langsam, mit Pathos.)

Wenn Flur und Feld, in Wald und Hain
sind  entblättert und entlaubt
wenn die Tanne nur allein
ihres Schmuckes nicht beraubt,
wenn der Mensch – er weiß nicht wie! –
Fröhlich und glückselig wird,
wenn ein Fünkchen Poesie
sich in jedes Herz verirrt,
wenn die Alten und die Jungen
mit Paketen komm'n gesprungen
wenn die Mädchen und die Knaben
etwas unterm Arme haben,
wenn die Frauen heimlich sticken,
um die Männer zu beglücken,
wenn die Männer heimlich laufen,
um den Frauen was zu kaufen,
wenn die Postgeschäfte macht
und der Podbielski lacht,
wenn die Mutter und der Vater
nur nachmittags ins Theater
mit den lieben Kindern geh'n
um „Schneewittchen“ anzuseh'n
wenn zur wunderbaren Feier
die Geschäfte stolz geschmückt
wenn man selbst bei Isack Maier
einen Weihnachtsbaum erblickt – – –
dann ist sie nicht mehr weit,
die gold'ne Weihnachtszeit! – – – –

Couplet

Wenn Weihnachten ist, dann kommt der Weihnachtsmann –
auch hier kann ihr am heutigen Abend an –
nun, liebe Leute, geben Sie mal acht,
was er für schöne Sachen mitgebracht.

Ich kenne hier so manchen Ehemann,
der abends gar nicht gut nach Hause kann –
(einen großen Hausschlüssel zeigend)
hier diesen Schlüssel reiche ich ihm schlau –
jedoch verraten Sie es nicht der Frau.

(Einen Pantoffel zeigend)
hier den Pantoffel schenk ich voller List
'ner Ehefrau, die recht energisch ist.
Man sieht es dem Pantoffel gar nicht an,
dass man 'nen Mann darunter haben kann.

Der Miquel hält die Hand auf's Portmonnaie
Ach, dieser Druck der tut uns manchmal weh.
(Eine große Schraube zeigend)
weil ihm als „Steuermann“ ein jeder kennt,
kriegt er die Steuerschraube als PRÄSENT

Herr Bebel ist in seinem Element,
wenn er des Lebens Schattenseiten nennt.
(Eine rosa Brille zeigend)
die Brille hier setz ich ihm aufs Gesicht,
dann strahlt für ihn die Welt im ros'gen Licht.

Was Ahlwardt ist, ist Ihnen wohl nichts Neu's.
Er ist Zigarrenhändler, wie man weiß.
Doch was er isst, das weiß wohl mancher nicht.
(Ein jüdisches Gepäck (Mazze) zeigend)
der Weihnachtskuchen ist sein Leibgericht.

Der Königin von England schenk ich hier
(eine kleine Flasche zeigend)
'ne kleine Flasche Lebenselixier –
der Prinz of Wales gibt sie ihr selber hin
und singt dabei das Lied: God save the Queen!

Der Milan sitzt nicht mehr auf Serbiens Thron –
seit langer Zeit hat er den Dalles schon.
Drum schick ich ihm 'ne frische Sendung Geld
(einen gefüllten Geldbeutel zeigend)
vielleicht, dass sie bis nächste Weihnacht hält!

(Eine Wichsschachtel zeigend)
die Schachtel Wichse ist für jeden recht,
der auch von mir mal Wichse haben möcht –
*) ich hab sie von den Engländern genomm'n
die hab'n Sie gratis aus Transvaal bekomm'n!

*) Man kann auch singen: ich hab sie von Chinesen genomm'n, die hab'n von Deutschland gratis sie bekomm'n

Ich hab 'nen Onkel, der trinkt gerne Bier,
dem schenkte ich das hübsche Stammglas hier.
(Ein Bierglas zeigend)
einen entzückt die Gabe von mir in –
doch dann sagt er enttäuscht: es is nischt drin!

(Einen Hampelmann mit einer Ziehschnur zeigend)
ein junges Mädchen kriegt 'nen Hampelmann –
da zieht sie dran, damit er strampeln kann –
dann seufzt sie: Wenn er nur lebendig wär.
Denn wenn der lebte, strampelt er noch mehr!

Ich hab 'ne Frau – der hab ich nichts geschenkt,
sie fühlt sich darüber sehr gekränkt –
ich aber sagte: Gräm dich nicht zu sehr!
Du hast ja mich! Was willst du denn noch mehr!

'ne Schwiegermutter fuhr zur Weihnachtszeit
zu ihrem Schwiegersohne voller Freud –
er sagte: Das du kamst, das find' ich nett –
(eine Fahrkarte zeigend)
dann schenkte er ihr dies Retour-Billett.

Herrn Jeiteles aus Polen schenke ich
(ein Stück Seife nebst Gebrauchsanweisung zeigend)
die Seite hier und sagte: Wasche dich!
Doch da ihm der Gebrauch der Seife neu,
ich leg ich ihm 'ne Gebrauchsanweisung bei.

(Ein Märchenbuch dem Titelblatt: "Es war einmal" zeigend)
'ner alten Großmama zur Weihenacht
wird als Geschenk dies Märchenbuch gebracht –
es war einmal! Steht auf dem Titel dar,
es war einmal! Denkt auch die Grossmama.

(Eine Schnurrbartbinde zeigend)
für einen Jüngling, der 'nen Schnurrbart möcht,
für den ist diese Schnurrbartbinde recht.
Indem er sich die kahle Lippe streicht,
spricht seufzend er: Es ist noch nicht erreicht!

Es wohnt Herr (den Namen irgend eines großen Kaufgeschäftes nennen) in dieser schönen Stadt,
ein Mann, der alles zu verkaufen hat.
(Eine Schleuder zeigend)
für den schafft  ich die große Schleuder an,
damit er alles gut verschleudern kann.
(Eine gefüllte Tabakspfeifen zeigend)
die Friedenspfeife wird dem Zar verehrt,
die raucht er, wenn der Frieden ewig währt.
Ob er sich damit zu beeilen braucht?
Ich glaub, der Tabak, der wird nie geraucht!

(Eine Milchflasche für kleine Kinder zeigend)
die Flasch ist für ein junges Ehepaar,
die Hochzeit war vor einem halben Jahr –
Sie sprach erröten: Ja, ich nehm sie an,
weil man sie später mal gebrauchen kann!

Die Sara Bernhardt ist sehr korpulent –
das weiß ein jeder, der sie näher kennt –
(ein Korsett zeigend)
der schenke ich dies herrliche Korsett,
das tut sie um – dann wird sie nicht so fett.

Die Patti nahm sich schon den dritten Mann
(ein Heft der Münchener „Jugend“ zeigend)
der bring ich, weil sie's braucht, die Jugend an –
„Ich hätte nie geglaubt“, sagt sie sodann,
„Das man die schon zu billig haben kann!“

(Eine große Rose zeigend – dieselbe kann auch imitiert sein)
die Tugendrose, die Sie sehen hier,
schick ich der Prinzess Chimay voll Pläsier –
doch die Medizin nicht an, die sagt: Pardon!
Der Preis gebührt der Lona Barrison!

(Die Rute zeigend)
nun kommt die Rute, die nicht sehr beliebt,
weil es damit was „Hinternünft'ges" gibt –
hier diese Route, Dieburg dem spendiert,
der nachher nicht gehörig applaudiert.

Nachspiel
(Melodie: wie Auftrittslied)

Alle Jahre wieder
kommt der Weihnachtsmann
auf die Erde nieder,
wie man sehen kann –
jeden bracht ich Gaben –
aber sollte ich
wen vergessen haben:
Schreib'n Sie mal an mich!

 
 

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