Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Unsere Eisenbahn

Kostüm-Couplet von Otto Reutter

Teich/Danner Nr.35

(Vor dem Auftreten des Vortragenden ertönt ein Eisenbahn zwölf. Hierauf der Beruf:

(Name der Stadt) Aussteigen!
Der vortragende erscheint im Reise-Anzug mit Reisetasche.

Man liest jetzt täglich in der Zeitung
von einem Eisenbahn-Malheur,
mal nicht so – mal von Bedeutung –
die Fälle mehren sich gar sehr.
Der Zug geht oft aus dem Geleise
bevor du noch zum Ziel gelangst.
Ich machte eben auch ne Reise
und kam ganz unversehrt wieder hier.
Ich machte auf die Wagentüre,
ab ins Coupé hineingeschaut,
das saßen alle Passagiere
Ganz schreckensbleich und sangen laut:
Ach mein lieber Schaffner, was hab'n wir denn getan?
Sie fahren uns kapores jetzt auf Ihrer Unglücksbahn.
Leb wohl geliebte Heimat! – Das Leben ist doch schön –
leb wohl, lebt alle wohl – wer weiß ob wir uns wiederseh'n!

Will jemand auf der Bahn jetzt fahren,
Macht er zuerst sein Testament,
denn er ist vorher nie im klaren,
ob er es nachher noch machen könnt.
Da heißt es: Wägen, dann heißt es Wagen!
So'n Wagen ist der reine Mord.
Zum Schachner wird wohl niemand sagen: „Ach bitte fahr'n Sie nur so fort!“
O lieber Schaffner, lass dich rühren!
Bedenke doch stehts eins dabei:
nicht nur der Mensch kann sich lädieren,
nein auch der Wagen geht entzwei.
Ach, mein lieber Schaffner, das hat doch keinen Zweck,
Sie setzen über alles so leichte sich hinweg.
Hast du ne Schwiegermutter, schick auf die Bahn sie nur,
'ne Rückfahrkarte braucht sie nicht, sie kommt doch nicht mehr retour.

'nem jeden will den Rat ich geben.
Wenn dich nicht drückt des Lebens Last,
wenn du noch Freude hast am Leben,
wenn du noch eine Mutter hast
hast du Geschwister und Verwandte,
hast du ein Mägdelein sehr gern,
hast du auch nur ne alte Tante,
so halte von der Bahn sie fern.
Doch bist du Lebens überdrüssig,
und möchtest gern von dannen gehen,
dann ist ein Selbstmord überflüssig,
zum Schachner brauchst du nur zu fleh'n:
Ach mein lieber Schaffner, befreie mich aus der Not,
tu mir jetzt den Gefallen, fahr mich ein bisschen tot,
da ruft entzückt der Schaffner, ja in 5 Minuten schon,
denn an der nächsten Ecke ist die Entgleisungs-Station.

Gestatten Sie, dass ich nun Preise
meine Reise Glück, es freut mich sehr,
ich machte eben eine Reise
und kam ganz unversehrt hierher.
Nun kann ich's noch zu etwas bringen,
denn jetzt bin ich ein Unikum.
Nicht länger Brauch ich hier zu singen,
ich stell mich ins Panoptikum!
Dann heißt es gleich in einem Fluge,
den (Name des vortragenden) muss ein jeder seh'n,
der fuhr 3 Stunden lang im Zuge,
und ihm ist kein Malheur gescheh'n.
Ach mein lieber Schaffner, du hast mir wohl getan,
jetzt bleib ich hier in (Name der Stadt) und fahre auf der Straßenbahn,
da bricht wohl mal der Achse, doch das ist kein Malheur,
da steigt man einfach aus und schiebt den Wagen hinterher.
 

 

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