Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

Twitter

Der Streit der Haustiere

Der Streit der Haustiere.
Scherz-Couplet von Otto Reutter

Teich/Danner Nr.29

In meiner Heimat habe ich ein Häuschen
und hinter diesem Häuschen steht ein Stall.
Drin ist ne Kuh, ein Pferd, ein Ochs, ein Esel,
auch einen Hund hab ich auf jeden Fall.
Auf meinem Hof das geht ein Hahn spazieren.
Und auf dem Dach ein Storch im Neste sitzt.
Die ganzen Tiere stritten sich nun neulich,
wir mir bisher am meisten wohl genützt.
Erst sprach der Storch: ich führt ihn ein ins Leben,
ich bracht ihn einst – den Preis ich mir erkor
da sprach der Esel: was du sagtest eben,
machst du nicht mal mir alten Esel vor.

Nun sprach der Hund: Ich laufe ohne Pause
vor meinem Herrn von morgens früh bis spät'
Jetzt sprach der Hahn: Er geht erst dann nach Hause
wenn ich, der Hahn, zum dritten Mal gekräht.
Nun sprach das Pferd: Nur einmal hat bestiegen
mich mein Gebieter, niemals tat er's mehr,
denn bald sah man ihn aus dem Sattel fliegen,
und Ross und Reiter sah man niemals mehr,
Mit meiner Milch erhielt ich ihm das Leben,
so sprach voll stolz die schwarzgefleckte Kuh,
das glaub ich gerne, so sprach der Ochs daneben,
drum war er auch so'n Rindvieh als wie du.

Hierauf sah ich ein allerliebstes Tierchen,
ich glaube fast, es saß vorher bei mir,
das sprach ganz leise: Auch ich hab mein Plaisierchen,
Den Menschen fall ich an voll Wuthbegier.
Ich lieb es bis aufs Blut ihn auszusaugen,
auch springen kann ich äußerst elegant,
Wer mich mal sieht, lässt mich nicht aus den Augen,
ich sterbe meist durch zarte Damenhand!
Doch tötet mich die Anna oder Liese,
ich denke stets: "Ein Stern hat mir gestrahlt,
Ein Augenblick gelebt im Paradiese,
ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt."

Werbung

Tasse Kaffee

Es gefällt Ihnen die Otto-Reutter-Seite und Sie wollen sich bedanken?