Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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In fünfzig Jahren ist alles vorbei

In fünfzig Jahren ist alles vorbei!
Original-Vortrag. Text und Melodie von Otto Reutter
Teich /Danner Nr. 301

1.
Denk' stets, wenn etwas dir nicht gefällt:
"Es währt nichts ewig auf dieser Welt."
Der kleinste Ärger, die größte Qual
Sind nicht von Dauer, sie enden mal.
Drum sei dein Trost, was immer es sei:
"In fünfzig Jahren ist alles vorbei."

2.
Und ist alles teuer, dann murre nicht
Und holt man die Steuer, dann knurre nicht.
Mißlingt dir auch alles, dann klage nicht
Und kriegst du den Dalles, verzage nicht -
Denn der, der nichts hat, ist glücklich und frei
Und in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

3.
Und ist auch ein andrer klüger als du,
dann sei nicht dämlich - und lach' dazu.
Was nützt sein Wissen - stirbt der vorher,
bist du am nächsten Tag klüger als der.
Wer da weiß, daß er nichts weiß, weiß vielerlei -
und in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

4.
Und geht zu 'nem andern dein Mägdelein,
Dann schick' ihr noch's Reisegeld hinterdrein.
Und bist du traurig, denk' in der Pein:
"Wie traurig wird bald der andere sein."
Dem macht sie's wie dir - die bleibt nicht treu
und in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

5.
Und hast du frohen Besuch zu Gast
und freust dich, daß du ein Radio hast,
du holst die Sender der ganzen Welt,
doch keiner bringt das, was euch gefällt, -
dann blas auf dem Kamm die Lorelei, -
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

6.
Und stehst du nervös am Telefon
Und du stehst und verstehst da nicht einen Ton,
Oder bist beim Zahnarzt - wenn er dich greift
Und dich mit dem Zahn durch das Zimmer schleift;
Und er zieht und er zieht und bricht alles entzwei -
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

7.
Und platzt dir ein Knopf, am Hemd zumeist,
Und hast Du ein Schuhband das stets zerreißt,
Und hast du 'ne Zigarre, die gar nicht zieht,
Und hast du ein Streichholz das gar nicht glüht,
Nimm noch eine Schachtel, nimm zwei oder drei,
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

8.
Und fälscht man dir Schokolade und Tee,
Und verspricht man dir echten Bohnen-Kaffee
Und du merkst, daß der Kaffee - wie schauderbar! -
Eine bohnenlose Gemeinheit war,
Dann schließ' die Augen und sauf' den Brei -
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

9.
Und fährst im Auto nach Haus du spät -
im besten Anzug - da streikt`s und steht, -
du suchst im Schweiß deines Angesichts,
was los ist, - kriechst d'runter - und findest nichts,
stehst ratlos, verschmiert, die Hose entzwei, -
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

10.
Und sitzt du in der Bahn ganz eingezwängt,
Und dir wird noch 'ne Frau auf den Schoß gedrängt
Und die hat noch 'ne Schachtel auf ihrem Schoß,
Und du wirst die beiden Schachteln nicht los
Und die Füße werden dir schwer wie Blei:
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

11.
Und führst `nen Prozeß du - ertrag' die Qual
und hörst du 'ne Oper, sie endet mal -
und hast du Magenweh und musst raus
und da ist schon jemand, dann harre aus.
Wie lang es auch dauert, der Platz wird frei -
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

12.
Und bist du ein Mädchen von zwanzig Jahr
und freist einen Mann, der schon fünfzig war
und der kommt dann gähnend beim Hochzeitsschluß
und braucht 'ne Stunde zu einem Kuß,
dann dulde und denk': "`s ist einerlei
In fünfzig Jahren ist alles vorbei."

13.
Und bist du ein Eh'mann und kommst nach Haus
halb drei in der Nacht - und sie schimpft dich aus,
Dann schmeiß dich ins Bette und sag "Verzeih,
Wär' ich zu Hause geblieben, wär's auch halb drei."
Und kehr' den Rücken und denk': "Nu schrei!"
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

14.
Und stehst du hier oben als Humorist,
obwohl dir zum Heulen zumute ist,
und du merkst, dein Vortrag gefällt nicht recht
und du selber findest die Verse schlecht,
sing' immer weiter die Litanei:
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

15.
Und fürchte Dich nie, ist der Tod auch nah,
Je mehr du ihn fürcht'st, um so eh'r ist er da.
Vorm Tode sich fürchten, hat keinen Zweck.
Man erlebt ihn ja nicht, - wenn er kommt, ist man weg -
Und schließlich kommen wir all an die Reih'
In fünfzig Jahren ist alles vorbei.

16.
Drum: Hast du noch Wein, dann trink' ihn aus
Und hast Du ein Mädel, dann bring's nach Haus
Und freu' Dich hier unten beim Erdenlicht.
Wie's unten ist, weißt du - wie oben nicht.
Nur einmal blüht im Jahre der Mai
In fünfzig Jahren ist alles vorbei - -

Du Rindvieh, dann ist es vorbei!


++++++++++++++++++++
zusätzliche Strophe auf der Schellackaufnahme

Und liest du 'ne Zeitung, dann schau nicht hin,
Es steht ja doch bloß was Schlechtes drin.
Und schafft dir die Politik Verdruß,
Es kommt ja doch alles, wie's kommen muß,
Heut' haben wie die, morgen jene Partei
und in fünfzig Jahren ist alles vorbei.

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