Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Denken Sie sieh bloss 'mal an!

Denken Sie sich bloß 'mal an!

Original-Couplet von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 185

1.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Studt, der Herr Minister
Ging jetzt endlich — und nun steht
Holle im Register.
Ja, auf Holle hofft man jetzt —
Holle wird jetzt hochgeschätzt
Doch ich sag' es ohne Scheu:
Der bleibt ooch der Olle —
Und bald heißt es: Viel Geschrei
Und sehr wenig — Holle!

2.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Meine Braut sagt eben:
„Sonst hast Du mir 'n Taler stets
Für 'nen Kuß gegeben.
Taler gibts jetzt bald nicht mehr,
Nun gib 'mal 'n Fünfmarkstück her."
„Nein", sagt ich, „Du kriegst drei Mark
Einzeln -  bin kein Prahler —
Ich küss' Dich in Zukunft auch
Immer noch für 'n Taler."

3.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Manche Maid im Lande
Schreibt jetzt schon ihr Tagebuch,
Es ist eine Schande.
Fast in jedem Buchgeschäft
Liegt so'n Tagebücherheft
Doch der Titel „Tagebuch"
Ist wohl nicht der rechte,
Denn vom Tag steht wenig drin —
Die Hauptsach` sind die Nächte.

4.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Der Tenor Caruso
Kniff 'ne Dame in das Bein —
Er hatte keine Ruh' so —
Doch die Frau, sehr resolut,
Schlug auf ihn und sprach voll Wut:
„Kneif mich vor dem Affenhaus
Nicht in meine Beine."
„Ach", sprach er, „verzeih'n Sie mir,
Ich dacht* es wären meine".

5.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
's fragt der Mann ganz leise
Seine Frau: „Warst Du mir treu
Während meiner Reise?"
„Ja", sagt sie da, „ich war Dir
Grade so treu, wie Du mir."
„Was", schreit er da ganz empört:
„Das muß ich vernehmen?
Treuer warst Du nicht? Pfui Teufel!
Solltest Dich was schämen".

6.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Salome, die Opa, (Oper)
Spielt man in Amerika
Nicht — nur in Europa,
Weil dort dem Herrn Roosevlt
's Herz gleich in die Hose fällt -
Und er sagt — „Der Schleiertanz
Ist bei uns der Brauch nicht.
Tanzen tun sie drüben auch,
Aber mit dem Bauch nicht."

7.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
In dem schönen Serbien
Schlug der Kronprinz rabiat
Alles jüngst in Scherbien.
Seinen Lehrer prügelt er.
König Peter'n schmerzt das sehr.
Doch ich glaube, dieser Sohn
Steckt zwar voller Laster -
Trotzdem kommt er auf den Thron,
Für Serbien, da paßt er.

8.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
In verschied'nen Staaten,
Da erzieht man auch die Frauen
Schon zu Diplomaten.
Stimmrecht hab'n die Frau'n auch.
Wäre das bei uns der Brauch.
Sagte manch geplagter Mann
Zu ihr treu und bieder:
„Schnell gib Deine Stimme ab —
Hol' sie bloß nicht wieder.

9.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Kürzlich ein Rekrute
Sagt zur Köchin: „Ach, mir wird
Traurig jetzt zu Mute.
Abgerüstet werd'n wir bald".
Doch sie sagt: „Das läßt mich kalt
Du bist zwar in Uniform
Schneidig zu betrachten,
Aber abgerüstet bist Du
Auch nicht zu verachten."

10.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
's gibt verschied'ne Frauen,
Die den Mann beherrschen woll'n
Und die ihn verhauen.
Seh' ich so was, schimpf ich los:
„Liebe Frau'n, ihr seid ja bloß
Aus 'ner Rippe einst gemacht
Wir sind die Zentrale,
Ihr seid nur ein Rippenstück.
Ihr seid die Filiale".

11.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Mein Freund Schulz, der kleine,
Der hat jetzt zwölf Kinder schon
und ich habe keine.
Eine Flasche Elexir
Bracht' er jüngst und sagte mir.
„Trink, das hilft - Du siehst bei mir
Kam jetzt schon der Zwölfte",
 „Nein", sagt' ich, „das ist zu viel,
Da sauf ich bloß die Hälfte".

12.
Denken Sie sich bloß 'mal an!
Mein Direktor eben,
   (resp.: Der Herr Vorstand eben)
Bat mich warnend: „Führ'n Sie doch
Ein solides Leben,
Denn Sie bummeln viel zu lang,
Lieben Wein, Weib und Gesang,
Die drei Dinge sind zu viel".
Da sagt' ich ihm schlankweg:
„Wenn Ihn'n das zu viel ist, gut,
Laß` ich den Gesang weg".

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