Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Die Friedenskonferenz.

Die Friedenskonferenz

Original-Vortrag von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 182

Ich grüß' Euch, liebe Leute
Und sing' Euch heute
Ein Lied so urgemütlich,
So sanft, so friedlich.
Im Haag in Holland war ich,
Denn immer fahr' ich
Dorthin, wo was zu seh'n ist
Und wo's recht schön ist.

1.
Jawohl, zur Friedenskonferenz bin ich marschiert.
Was dort der Deutsche sprach, das sei hier repetiert.
Der Russe kam und fing vom ew'gen Frieden an.
Da lachte ihn der Deutsche aus und fröhlich sang er dann:

„Such' nicht in andern Ländern
Was abzuändern —
Sieh zu, daß Euch der Frieden
Erst wird beschieden.
Ihr, übt oft Unterlassung.
Eure Verfassung
Muß anders werden, Russe.
Jawohl, das muß se.
Die Duma-Sitzung neulich
War nicht erfreulich,
Da stürzt zu Eurem Schrecke
Euch ein die Decke.
Die Decke ist Euch eingefall'n -
Das tut mir leid —
Wenn Euch nichts andres einfällt,
Dann seid Ihr noch nicht weit"

2.
Nun kam der Herr Franzose von der grande Nation.
Der sprach: „Daß wir den Frieden woll'n, das weiß man schon.
Nur der verflixte Deutsche läßt uns keine Ruh."
Der Deutsche aber sprach vergnügt: „Schimpf" Du nur immerzu.
Dein Schrei'n ist mir, Franzose,
Ganz tout même chose,
Drum parlé noch so ville,
Je suis ganz stille.
Dein Übermut, der gibt sich,
Denk' nur an Siebzig.
Drum mach' kein'n Schnedderengdeng hier,
Reich' die la main mir.
Sonst geht's Dir miserabel
Ich bin kapabel —
Und stoß' Dir meinen Sabel
In Deinen Nabel.
Drum halte Deinen Schnabel,
Mußt ruhig sein —
Du kennst doch auch das schöne Lied:
Fest steht die Wacht am Rhein'-'

3.
Nun sprach der Italiener: „Laßt uns friedlich sein,
Ich liebe Dich, ich schloß Dich in mein Herze ein!''
Da sang der Deutsche und er lacht ihm in's Gesicht:
„Hab' ich nur Deine Liebe, die Treue brauch' ich nicht.
Mein lieber Italiano
Mit samt dem Spanio,
Du mußt nicht Frieden predio
Das ist Komödio.
Ja selbst Dein Freund Alfonso,
Der ist auch schon so —
Victor Emanuolo
Läßt uns ganz solo.
Erst drückst Du voll Gefühl o
Die Hand dem Bülow.
Dann gehst Du, das ist hartio,
Zum Eduardio —
Du wolltest unser Brudrio
Im Dreibund sein.
Du bist ein falsches Ludrio,
Da fall'n wir nicht drauf 'rein."

4.
Zum Schlusse kam der Herr John Bull aus Engeland.
Ja, aus dem Land der Engel ward er her gesandt
Der sprach: „O seid wie ich so lieb, so brav, so gut."
Da riß dem Deutschen die Geduld — nun sang er voller Wut: „
Jetzt halt man bloß die Luft an,
Seht bloß den Schuft an —
Du willst den Frieden, sagste,
Den Krieg, den magste.
Du sagst, die Schiffe können
Wir jetzt verbrennen.
O jes — verbrennst Du Deine,
Verbrenn' ich meine.
Laß Du nur mich zufrieden,
Dann hast Du Frieden,
Jedoch schlägst Du mich nieder,
Schlag' ich Dich wieder.
Kommst Du mit Deinen Schiffen
Dort, wo ich bin,
Dann ruf ich aus: Scher' Dich hinaus
Und schiff wo anders hin."

Das war'n des Deutschen Worte
Am Friedensorte,
Das hat den Andern allen
Dort nicht gefallen.
Drum gibts bald ein Gestreite
Der Friedensleute,
Ein Stoßen und ein Schlagen,
Ein Heul'n, ein Klagen.
Sie schlag'n sich auf den Schädel
Vor Konkurrenz,
(Zwei Schüsse ertönen hinter der Scene.   Währenddem sehr lautes, langgedehntes Zwischenspiel.)
Das sind die Resultate von
Der Friedenskonferenz.

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