Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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Von der Pariser Welt-Ausstellung zurück!

Teich/Danner Nr.71

Anmerkung: Der Vortragende tritt als Geschäftsreisender auf, einen kräftigen Spazierstock in der Hand.  Auf der Bühne steht eine imitierte Jahrmarktsbude.  Es genügt indessen auch ein Tisch, auf welchem die verschiedenen Gegenstände liegen. An der Bude oder am Tisch ist ein Schild angebracht mit der Aufschrift in roten Buchstaben: Pariser Welt-Ausstellung.  Vom 1. Mai bis 15. Oktober.

Auftrittslied.

Von «Den Städten auf der Erde
Ist doch die schönste Stadt Paris.
Ihr Loblied stets gesungen werde,
Sie ist der Erde Paradies.
Sie ist die herrlichste von allen,
Die man wohl je gesehen hat
:|: Drum lasst den Jubelruf erschallen:
Es lebe hoch die schönste Stadt! :|:
{Mit Pathos fortfahrend.)
Auf dieses Schild, da schrieb ich mit Zinnober:
"Vom 1. Mai bis 15. Oktober!"
Dann versuchte ich mein Glück,
und jetzt komm ich
Von dort zurück!



(Gesprochen.)      Sie hab'n es wohl gelesen:
Ich bin in Paris gewesen!
Die berühmte Ausstellung
Brachte ich erst recht in Schwung.
Was man in Paris auch brachte,
Was man alles auch erdachte,
Kirchen, Schlösser and Paläste,
Industrie aufs allerbeste,
Dampfmaschinen und Kanonen,
Riesenrestaurationen,
Eine grosse Ehrenpforte,
Allerlei Vergnügungs-Orte —
Ob Theater, ob Konzerte
Von dem künstlerischsten Werte —
Häuser, Schiffe oder Brücken:
Alles, was man konnt erblicken,
Feuerwerke und Fontänen,
Bauten, die zum Himmel gähnen,
Selbst der grosse Turm von Eiffel
Ohne Zweifel — pfui Teufel! —
War noch nicht so'n grosses Wunder
Als wie hier der ganze Plunder!
Solch ein Mann wie ich, ist selten.
Ich bereiste alle Welten,
War bei allen Nationen —
Pah!  Was sind für mich fünf Zonen!
Ich war überall bereits:
Auf den Bergen in der Schweiz,
Auf der Schiffe hohem Stapel,
Auf dem Golfe von Neapel,
Auf dem feurigen Vesuve,
Auf des Nordpols höchster Stufe —
lch war bei der grössten Hitze
Auf des Südpols schärfster Spitze —
Und vier Wochen lang — ich bitt Se —
Das nahm mich am meisten mit —
War ich schon auf Lady Shmith.

Jetzt bin ich, wie Sie vernommen,
Grade aus Paris gekommen —
Und, was ich dort ausgestellt
In der schönsten Stadt der Welt»
Das wird Sie wohl interessieren -
Darum will ich's repetieren!

Couplet.

(Der Vortragende zeigt jetzt die betreffenden Gegenstände, -welche im Land
dieses Couplets erwähnt werden.)


In dieser Bude hab' ich viel zu liegen.
Das sahen die Pariser mit Vergnügen.
Geb'n Sie mal acht, es wird mir schon gelingen,
Auch Ihnen hier ein Staunen abzuringen.

(Ein Gesetzbuch zeigend.) —-

Hier dies Gesetzbuch ist von Neunzehnhundert,
's ward in Paris natürlich sehr bewundert.
Es ist neu durchgesehen, denn seit heute
Steht die -lex Heinze" auf der letzten Seite.

II.

(Ein Billet zeigend.)

Hier dies Billet, das muss ein jeder preisen.
Damit konnt jeder nach Paris hin reisen.
Aus dieser Stadt ist mancher Herr gekommen,
Von den Parisern freundlichst aufgenommen.
{Man nennt jetzt eine Firma, welche im Genre dar „Goldenen Hundertzehn
ihre 'Waren in Gedichtsform anpreist und zeigt von dieser Firma ein Plakat
auf welchem sich in französischer Sprache ein Reklamegedicht dieser
Firma befindet.)


Herr (Name des Inhabers der Firma.)  ....  ist auch dorthin gefahren,
Nur in Gedichtsform pries er seine Waren.
Doch wollt er die Franzosen nicht verletzen,
Drum liess er sich's französisch übersetzen.

III.

Es giebt viel Seifen, die vor Staub nicht schützen,
Man muss sie manchmal jeden Tag benützen.

(Ein Paket Doerings-Seife zeigend.)    
Doch kannst du Doerings-Seife hier erhaschen,
Dann brauchst du dich acht Tage nicht zu wasche
(Fünf übertrieben grosse imitierte Hühneraugenringe zeigend, welche
an einer Stange hängen.)

Hier hab' ich Wasmuth's Hühneraugenringe,
Na, die verrichten wahre Wunderdinge.
Hier die vier kleinem lindern manches Wehe,
Der grösste hier ist für die grosse Zehe!

(Eine Zacherlin-Spritze zeigend,)

Hier Zacherlin — das kann wohl manchem nützen,
Vor manchen Feind kann er sich damit schützen.
's kommt manchmal vor: im Bette liegt ein Schläfer,
Den stört im Schlaf ein kleiner, süsser Käfer.
Der braucht nicht grad' so gross wie'n Elefant zu sein,
Er thut doch weh und man muss bei der Hand sein!
Doch jetzt nicht mehr — kannst du ihm hiermit drohen,
Dann ist der Feind im Augenblick entflohen!



V.

Von jedem Staat hatt' ich was mitgenommen,
Hab' überall das Beste nur bekommen.
Plakat, auf welchem steh der Vermerk; „Anweisung auf 1000 Fass
Bayrisch Bier nach Paris" befindet, zeigend.)

'ne Bayrisch Bieranweisung schickt der Bayer,

(Eine Flasche Tokajer zeigend.)
Aus Ungarn hat ich feurigen Tokajer.

(Zwei Apfelsinen zeigend.)
Italien schickte schöne Apfelsinen,

(Einige österreichische Virginia-Cigarren zeigend.)
Aus Österreich konnt ich mit Cigarren dienen.
(Eine „Es ist erreich-Schnurrbartbinde" zeigend.)
Und Deutschland schickte, was ich laut verkünde:
"Es ist erreicht", die deutsche Schnurrbartbinde.

VI.

(Einen Stiefel zeigend, auf dessen Sohle sich ein weiss-rotes Herz befindet.)

Die Firma Herz ich ganz besonders lobe.
Von ihren Schuhen hab' ich hier 'ne Probe.
Er ist sehr gross, verursacht keine Schmerzen —
Und, was die Hauptsach' ist, er kommt von Herzen!
Herr Herz, der hat ihn selber mir gegeben.
Er sprach dabei zu mir: „Sonst ist im Leben
Ein Herz und eine Seele die Parole. ...  
Hier aber heisst`s: Bin Herz und eine Sohle

VII.

(Eine Säuglingsmilchflasche zeigend.)

Um die lex-Heinze richtig durchzuführen,
Darf keine Frau sich mehr dekolletieren.
Ein Kind darf an der Mutterbrust nicht liegen,
Die Flasche hier, die wird wohl auch genügen.
So'n Flaschenzug erhält das Kind am Leben —

Und will die Mutter ihm was andres geben,
Dann sagt das Kind: „Mama, mach keine Spässe!
Ich schäme mich — du giebst dir ja 'ne Blösse!

VIII.

(Eine Schachtel Wichse zeigend.)

Hier diese Wichse zeigt ich allen Leuten,
Denn diese Wichse hat was zu bedeuten.
Ich habe sie aus England mitgenommen.
Die hab'n sie neulich in Transvaal bekommen.
Es hab'n zwar, wie man weiss, vor einigen Tagen
Die Engländer die Buren sehr geschlagen.
Doch Onkel Krüger, der sagt brav und bieder:
„So Gott es will, krieg'n sie die Wichse wieder!

IX.

(Eine Stollwerksche Schokoladentafel zeigend;}

;_Von Stollwerk hatt ich feinste Schokoladen,
Wer die nlcht isst, hat selbst den größten Schaden.
(Eine Flasche mit Maggis Suppenwürze zeigend.)
Hier ist von Maggi gute Suppenwürze,
Da wird der Mensch Athlet in aller Kürze.
(Ein Ei zeigend, welches ohne Spitze auf einem Teller steht.)
Von Herrn Columbus wurde viel gesprochen,

Man weiss, die Spanier holten seine Knochen.

Jedoch das Ei — ich mache keine Witze —
Das habe ich, natürlich ohne Spitze!

X.

(Eine Firma im Genre „Wertbeim" nennend.)

Von  (Name der Firma.)    hatt ich viele Sachen,
Da mussten die Pariser drüber lachen.
(Ein Tuch zeigend, welches den Preisvermerk: 1,99 Mk. trägt.)
Hier dieses Tuch — der Preis ist wirklich einzig —
Das kost bei . . . . 'ne Mark und neinundneinzig.

(Einen Strumpf mit Preisvermerk 1,58 Mk. zeigend.)
Wünscht 'ne Pariserin 'nen billigen Strumpf sich,
So nimmt sie die — ne Mark and achtundfunfzig.

(Ein Korsett, 1,49 .Mk gezeichnet, emporhaltend.)
Und dies Korsett so niedlich und so herzig.
Das kost't bei . . . . ne Mark und neinundverrrrrzig



XI.

Die Lebensmittel darf man nie entbehren,
Drum mussten die Pariser was verzehren.

(Einen Schinken zeigend.)
Hier war aus Prag ein echter Prager Schinken,
(Eine Weissbierflasche zeigend )
Und hier war Weissbier, das Berliner trinken.
(Eine Leberwurst, sowie zwei Frankfurter Würste hochhaltend.)
Thüringer Leberwurst sei nicht vergessen.
Frankfurter Würste sind ein feines Essen.

(Zwei Tafeln Mazza (jüdisches Gebäck) zeigend.)
Doch diesen Kuchen preist ich auf der Reise
Als echte internationale Speise!

XII.

(Bei diesem Vers zeigt man eine Nummer der Münchener Zeitschrift

"Jugend" sowie eine Nummer der „Woche", in welche man eine Karrikatur
der Sarah Bernhardt gezeichnet hat.)

Die Sarah Bernhardt kennt ein jeder sicher,
Der bracht* ich mit zwei wunderschöne Bücher.
Hier von der  "Jugend" schenkt ich ihr 'ne Nummer,
Denn alt zu sein, das war ihr grösster Kummer.
Und hier die „Woche" liess in vielen Bildern
Die grosse Kunst der schlanken Sarah schildern.
Hier ist ihr Bild — dies Bild, es macht Epoche —
Die Sarah Bernhardt ist jetzt in der Woche!

(Kurzes Zwischenspiel, dann Schlusslied.)

Als die Ausstellung beendet,
Hab' ich mich nach Haus gewendet —
Und da konnt' man es in allen Blättern lesen:
So'n verrückter Kerl ist noch nicht dagewesen!

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