Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

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So ändern sich die Zeiten

So ändern sich die Zeit!
Original-Couplet
Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr. 196

1.
Der Lehrer lehrte einst dem Kind,
Das manche Räume luftleer sind.
Heut' möcht' ich das bestreiten.
Denn wir fahr`n in der Luft umher -
Luftleere Räume gibt`s nicht mehr -
So ändern sich die Zeiten.

2.
`ne Säng`rin trug eins schwarzes Haar,
dann sah ich blond - `s ist sonderbar -
Sie auf die Bühne schreiten.
Dann trug sie braunes - auch nicht schlecht -
jetzt trägt sie graues - das ist echt.
So ändern sich die Zeiten.

3.
Einst hatte man die Dichter lieb,
wer herrliche Gediche schrieb,
konnt' Freude uns bereiten.
Heut sind Versbücher nicht modern,
perverse Bücher liest man gern,
So ändern sich die Zeiten.

4.
Jüngst ein Minister morgens saß
vor seiner Zeitung und er las
und dacht: Was soll`s bedeuten?
Ich war doch munter stets bisher -
nun les ich, daß ich kränklich wär.
Schnell ändern sich die Zeiten.

5.
Dem Gen'ral Stössel ward verlieh'n
ein Orden, denn man sah ihn kühn
auf einer Festung streiten.
Doch ohne Orden sitzt voll Leid
er in 'ner andren Festung heut'
so ändern sich die Zeiten.

6.
Wir ließen 70 - `s war famos -
die fünf Milliarden vom Franzos
in unsre Kasse gleiten.
Wer heut in Deutschlands Kasse sieht,
sieht fünf Milliarden Defizit.
So ändern sich die Zeiten.

7.
Einst sprach die Mutter: „In der Nacht,
hat dich, mein Kind, der Storch gebracht.
Glaubst nicht, wie wir uns freuten."
Doch heut`gen Tag`s - ich wette drauf -
die Tochter klärt die Mutter auf.
So ändern sich die Zeiten.

8.
Einst konnt 'ne Frau im Sachsenland
Den Mann, der ihr am nächsten stand,
zum Königsthron begleiten.
Jetzt nahm 'nen andern sie dafür -
und den begleit`t sie - am Klavier -
So ändern sich die Zeiten.

9.
Einst konnt' man bei der Feldermaus
nach der Musik von Johann Strauß
im Walzertempo schreiten.
Heut' tanzt bei Richard Strauss - o weh -
mit Johann's Kopf die Salome.
So ändern sich die Zeiten.

10.
Es rettet - Sie wissens wohl -
die Gänse einst ein Kapitol.
Heut', bei gewissen Leuten -
kriegt erst die Gans ein "Eh`gemohl" -
und dann kriegt er ihr „Kapitol“
So ändern sich die Zeiten.

11.
Ich kenn' 'nen Mann, der schwor 'nen Eid
und glaubte sich dadurch befreit
von allen Schwierigkeiten.
Dann saß er im Gefängnis drin
und aller Glanz, er war dahin
so ändern sich die Zeiten.

12.
Herr Haby sagt: „Man hat`s nicht leicht.
Erst hieß es stets: Es ist erreicht!
Beim  Bart seit langen Zeiten.
Heut sagt mir jeder: Nehm`n Sie trab
die  Spitzen von den Seiten ab.“
So ändern sich die Seiten.

13.
Einst konnt' vom Zentrum der Herr Spahn
sich jederzeit dem Kanzler nah'n
er durfte vorne schreiten.
Heut' heißt es: „Du bist ab getan!“
(Hierbei andere Melodie. Siehe Noten-Vermerk)
Nun sei bedankt, mein lieber Spahn!
So ändern sich die Zeiten

13a.
Einst galt das Zentrum abgetan.
Heut aber sieht man den Herrn Spahn
die Reichstagsglocke läuten.
Und die Minister, die ihm nah`n,
sag`n: "Sei bedankt, mein lieber Spahn!"
So ändern sich die Zeiten.

14.
Einst stand voll Stolz die Mutter da.
Bald ward sie Schwiegermamama,
weil jung die Töchter freiten.
Heut' Schwiegermutter sein, hält schwer.
Großmutter wird sie oft viel eh`r.
So ändern sich die Zeiten.

--.
Einst sprach Papa in strengem Ton:
"Ins Variete, mein lieber Sohn,
Darfst du mich nicht begleiten."
Heut sagt der Sohn: "Ich muß erst sehn,
wies`s ist - dann darf auch Vater gehn."
So ändern sich die Zeiten.

--.
Einst ward der Zeppelin verlacht.
Bevor er seinen Weg gemacht,
gab`s viele Schwierigkeiten.
Und heute steht er obenan
als des Jahrhunderts größter Mann.
So ändern sich die Zeiten.

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