Ick wundre mir über jarnischt mehr

Otto Reutter (1870 - 1931) Humorist

Twitter

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus

Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus!
Original-Couplet, Text und Melodie von Otto Reutter
Teich/Danner Nr.275

1.
Ich habe drüber nachgedacht,
was tät ich voller Freud'
wenn's plötzlich hieß, der Krieg ist aus,
wir haben Frieden heut'!
Daß wir gewinnen endlich,
setz ich dabei voraus,
denn früher selbstverständlich,
ist der Völkerstreit nicht aus.

2.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus
und ich den Dalles hätt',
versetzt' ich alle Sachen,
versetzt' sogar das Bett.
Das macht mir keine Plage,
ein Bett braucht nicht zu sein,
die nächsten 14 Tage
geh' ich ja doch nicht rein.

3.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
mein Erstes wäre dann,
ich trink mir einen Siegesrausch
von einem vollen Fass.
Wer niemals einen Rausch gehabt,
der ist kein braver Mann,
Sie soll'n mal sehn' nach dem Krieg,
wie brav ich werden kann.

4.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
und ich lieg' noch im Bett,
dann spring' ich raus, als wenn mich grad
ein Floh gebissen hätt'.
Wen ich zuerst treff', wird geküsst,
wer da nicht will, der muss,
und wenn's die Schwiegermutter ist,
die kriegt von mir 'nen Kuss.

5.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus
schlag' ich die Haustür zu,
dann tanz' ich auf der Straße rum
und rufe laut Jahuh!
Und geht auf mich ein Schutzmann los
mit schnellem, wucht'gen Schritt,
dann lache ich und sage bloß:
„Komm her, und tanze mit.“

6.
Benz heute heißt, der Krieg ist aus
geh' ich zum Wirtshaus hin,
sagt dann der wird um eins: „'s ist Schluss“
dann bleibt ich ruhig drin.
„Was“, sag' ich, „Polizeiverbot
um eins? Ich kenne keins –
's kann ruhig viere, fünfe sein,
heut' ist mir alles eins.“

7.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus –
ich sitz' im Gastlokal,
da küsse ich die Kellnerin,
das ist mir ganz egal.
Ist dann die holde Maid entsetzt,
dann sag' ich, wenn sie schreit:
„Mein Kind, wir hab'n ja Frieden jetzt,
da gibt's doch keinen Streit.“

8.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
geh' ich zur Steuer hin,
dort sage ich: „Hier haben Sie
den ganzen Kriegsgewinn.“
Staun'n dann die Leut' dort drinnen,
sag' ich mit stolzen Sinn:
„Wenn wir den Krieg gewinnen,
brauch' ich kein'n Kriegsgewinn.“

9.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus
und ich treff' 'nen Soldat,
dem nicht besonders geht, der kriegt
von mir den ganzen Draht.
„Du kämpftest unverdrossen,“
sag ich dann voll Humor,
„du hast für mich geschossen,
heut' schieß ich dir was vor.“

10.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
geh' ich zum Hindenburg,
ans Denkmal mit 'nen Nagel hin,
und schlag ihn durch und durch,
dann steig ich vom Gerüst herab
und fröhlich werd' ich sag'n:
„Ich bin der stärkste Mann, ich hab'
den Hindenburg geschlag'n.“

11.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
geh' ich in's Schloß hinein;
Jawohl, im kaiserlichen Schloß,
sing ich die Wacht am Rhein,
Und sagt zu mir der Posten prompt:
"Hinaus!" - ich bleibe da –
und wenn der Kaiser selber kommt,
ich rufe laut Hurra.

12.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
geh' ich zum Reichstag rein,
dort bringe ich ein donnernd Hoch
den sämtlichen Partei'n.
Und kommt der Liebknecht reingehüppt,
dann lüft' ich auch den Hut:
„Du hast da draußen mitgeschippt,
ich bin dir wieder gut.“

13.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
häng' ich 'ne Fahne raus,
von 20 Meter Länge,
fünf Stockwerk aus dem Haus.
Wenn unten wer vorübergeht
und dieser Kerl wird grob,
weil sie ihm ins Gesichte weht,
den spuck' ich auf den Kopp!

14.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
gibts Butter - Gott sei dank,
die ganze Marmelade
die fliegt dann aus dem Schrank.
Ich esse alles was mir frommt –
selbst Kaviar leist' ich mir.
Und wenn er auch aus Russland kommt,
da kann er nischt dafür!

15.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
zieh'n unsre Krieger ein,
ich geh ans Brandenburger Tor
und fange an zu schrei'n:
„Bin leider 46 Jahr,
drum braucht' ich nicht mit raus,
wenn das bloß ein Jahr früher wär',
dann wär's schon lange aus.“

16.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
Reis' ich, soweit ich kann,
Ich seh' mir Deutschland, die Türkei
und alle Länder an.
Doch werd' ich niemals wieder
rein nach Italien geh'n,
die Makkaronibrüder,
die will ich nicht mehr seh'n.

17.
Wenn's heute heißt, der Krieg ist aus,
und ich steh' beim Gesang,
grad oben, geh' ich weg und denk':
Rutsch mir den Buckel lang!
Ich sag' - und wenn Sie alle groll'n:
"Hier hab'n Sie ihr Entrée,
nun sing'n Sie selber wenn Sie woll'n,
ich pfeif' auf's Varieté."

Werbung

Tasse Kaffee

Es gefällt Ihnen die Otto-Reutter-Seite und Sie wollen sich bedanken?